Marktkonsolidierung und KI-Druck: Warum das klassische Erstversicherer-Modell an Grenzen stößt
Beim Handelsblatt Insurance Summit in Düsseldorf haben Branchenvertreter wie Dietmar Kottmann, Partner bei Oliver Wyman, und Ergo-Deutschlandchef Oliver Willmes deutlich gemacht, dass die deutschen Erstversicherer vor einer Phase tiefgreifender Veränderungen stehen: Nach Einschätzung von Kottmann wird es im kommenden Jahrzehnt „mehr Veränderung geben als in den 25 Jahren zuvor“, weil gleich mehrere Trends gleichzeitig auf die Geschäftsmodelle wirken. Zum einen treibt eine von Finanzinvestoren getriebene Fusionswelle unter Firmenkundenmaklern die Marktkonsolidierung voran, was für Versicherer spürbar höhere Kosten und komplexere Anforderungen im Industrie- und Gewerbegeschäft bedeutet. Zum anderen verändert der Einsatz von KI-Assistenten das Kräfteverhältnis zwischen Versicherern und Kunden, weil Policen leichter und schneller verglichen werden können und damit ausgerechnet jene intransparenten Marktsegmente unter Druck geraten, die bislang besonders margenstark waren. Laut einer Oliver-Wyman-Studie stammen heute noch rund 55 Prozent des Geschäfts der deutschen Erstversicherer aus Situationen, in denen Kundinnen und Kunden Produkte ohne systematischen Vergleich beim Vertreter abschließen; dieser Anteil könnte binnen zehn Jahren auf 30 Prozent sinken – ein massiver Transparenzschub, der stabile Provisions- und Pricingstrukturen infrage stellt. Willmes von Ergo betonte im gleichen Zusammenhang, dass es „deutlich anspruchsvoller“ werde, die Risiken des Lebens zu versichern, weil Naturkatastrophen, Cybergefahren sowie geopolitische und technologische Umbrüche den traditionellen Underwriting-Ansatz grundlegend verändern und Versicherer verstärkt von der reinen Schadenregulierung in Richtung aktives Risikomanagement zwingen.
Zahl des Tages – KfW prognostiziert 1,5 % Wachstum für 2026
1,5…
Prozent – so stark soll Deutschlands Wirtschaft 2026 laut KfW Research wachsen. Nach Jahren der Flaute erwartet die Förderbank für das nächste Jahr einen spürbaren Auftrieb, getragen von höheren Staatsausgaben, mehr Arbeitstagen und anziehenden Unternehmensinvestitionen. Für 2025 prognostizieren die Ökonomen der KfW unverändert ein leichtes Wachstum von 0,2 Prozent. Weiterlesen →
KI-Tools sortieren den Makler-Posteingang: Welche Lösungen im E-Mail-Chaos wirklich helfen
Zitat des Tages – Schlecht informiert ins Ausland – 26.11.2025
„Viele Menschen wissen nicht, wie Gesundheitssysteme außerhalb Deutschlands funktionieren oder welche Leistungen ihre nationale Versicherung tatsächlich abdeckt“,
Banken bremsen Erwartungen: Neue EY-Parthenon-Umfrage zeigt wachsende Risiken im Immobilienmarkt
Wirtschaftslage drückt Stimmung: Banken sehen Immobilienerholung zunehmend skeptisch
Deutschlands Immobilienmarkt sendet wieder Preissignale nach oben – doch ausgerechnet jetzt, da Daten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft und des Verbands deutscher Pfandbriefbanken eine landesweite Trendwende belegen, stellen die jüngsten Einschätzungen der Branche selbst diesen Aufschwung infrage. Laut einer aktuellen Umfrage von EY-Parthenon unter 58 immobilienfinanzierenden Banken und 22 Restrukturierungskanzleien, die dem Handelsblatt vorab vorlag, erwartet nur noch eine deutliche Minderheit eine stabile Erholung bis 2030. Die Experten rund um Jean-Pierre Rudel, Partner bei EY Real Estate, sprechen von einer „anhaltenden Krise“, obwohl Zinsen stabil sind und die Nachfrage nach Baufinanzierungen wieder anzieht. Was die Banken umtreibt, ist ein paradoxes Bild: steigende Kaufpreise auf der einen Seite, aber eine konjunkturelle Schwächephase, die aus Sicht von 74 Prozent der Institute zur zentralen Risikoquelle geworden ist. Die Folge: Selbst der moderate Optimismus zur Jahresmitte, als noch 80 Prozent an eine positive Marktentwicklung glaubten, ist weitgehend verflogen. Heute sind es nur noch 65 Prozent – ein deutlicher Rückschritt, der zeigt, wie schnell sich Erwartungen drehen können, wenn Boom und Realität auseinanderlaufen.
Zahl des Tages – 67 Prozent gegen Olympia in Berlin
67…
Prozent der Berliner sprechen sich gegen eine Berliner Bewerbung um die Austragung der Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 aus. Lediglich 27 Prozent unterstützen die Bemühungen des Senats, Olympia in die deutsche Hauptstadt zu holen. Sechs Prozent sind in der Frage unentschieden. Das ist das Ergebnis einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Tagesspiegels.
Wechselsaison startet: Warum Kfz-Beratung jetzt über Vertrauen entscheidet
Zitat des Tages – Digitale Resilienz im Finanzsektor – 25.11.2025
„IKT-Dienste sind im Finanzsektor mittlerweile unverzichtbar. Moderne Finanzdienstleistungen sind ohne sie kaum möglich“,
EU-Kommission startet Reformoffensive: PEPP soll aus der Sackgasse geführt werden
Mit einem umfassenden Reformpaket reagiert die EU-Kommission aktuell auf den verhaltenen Marktstart des Pan-European Personal Pension Product (PEPP). Was als europäischer Vorsorgebaustein mit Signalwirkung geplant war, entwickelte sich seit seiner Einführung zur Bremsspur: geringe Nachfrage, restriktive Vorgaben, kaum Wettbewerb. Nun setzt Brüssel auf einen Kurswechsel – mehr Flexibilität, weniger Kostenrigidität, größere Marktöffnung. Besonders markant: Der bisherige Kostendeckel von einem Prozent fällt. Ein Schritt, der – so die Einschätzung des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) – längst überfällig war. BVK-Präsident Michael H. Heinz erinnert an frühere Warnungen seines Verbands: „Wir haben von Anfang an darauf hingewiesen, dass der Kostendeckel und die fehlende Möglichkeit einer qualifizierten Beratung die größten Schwachstellen des PEPP sind.“ Doch während der regulatorische Rahmen gelockert wird, bleibt ein Kernproblem bestehen: Das Basis-PEPP soll weiterhin ohne Beratung vertrieben werden – ein Punkt, der laut Heinz nicht nur für Stirnrunzeln, sondern für strukturelle Risiken sorgt. Altersvorsorge sei erklärungsbedürftig; Informationsblätter allein seien, so seine Mahnung, ein Trugschluss in einer komplexen Produktwelt.
Zahl des Tages – 20 Prozent mehr Rückenschmerz-Fehltage
20…
Prozent – so stark stiegen die Fehltage durch Rückenschmerzen zwischen 2019 und 2024. Mit 142 Ausfalltagen pro 100 Beschäftigte bleibt der Rücken damit die Hauptursache für krankheitsbedingte Fehlzeiten. Das zeigen Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Auch psychische Belastungen wie Anpassungsstörungen (+50 Prozent ) und depressive Episoden (+17 Prozent) nahmen deutlich zu.
