Sprechstunde beim @AssekuranzDoc: Viel Holz vor der Hütte als Kapitalanlage?

Große Stapel Holz vor dem Haus sind sprichwörtlich geworden. Der Besitzer hat gut vorgesorgt. Der Winter kann kommen. Und nicht zu vergessen, die Doppeldeutigkeit von „viel besitzen“. Ist Holz aber auch als Kapitalanlage geeignet?

Foto von Dirkvorderstrasse/Flickr

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Nachfrage und Nachhaltigkeit von Holz

Der Rohstoff Holz hat für die meisten Menschen eine positive Bedeutung. Wald ist spätestens nach den überwundenen Folgen des sauren Regens ein Inbegriff von intakter Natur geworden. Fußböden und Möbel aus Holz strahlen Gemütlichkeit aus. Spielzeug aus Holz wird häufig der billigen Konkurrenz aus Plastik vorgezogen. Ein Kaminfeuer weckt in uns Menschen Gefühle von Harmonie und Einklang mit der Natur. Und vom Weihnachtsbaum ganz zu schweigen.

Aber auch rational betrachtet hat Holz vieles für sich. Das Wachstum von Bäumen ist gut für den CO2-Haushalt der Umwelt. Im Gegensatz zu den fossilen Brennstoffen wächst Holz nach, wenn der Mensch es nicht nur zum kurzfristigen Raubbau nutzt. Und die weltweit steigende Nachfrage besonders in asiatischen Ländern wie Indien und China hat zu einem enormen Preisanstieg beim Holz geführt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass seit einigen Jahren Holz als Kapitalanlageform interessant geworden ist.

Holz als Ausweg aus der Kapitalmarktkrise

Und genau an den geschilderten positiven Emotionen setzen die Anbieter von Anlageprodukten rund ums Holz an. Wenn dann noch die Nachhaltigkeit des Wachstums von Bäumen ins Spiel kommt, dann hat die Emotion des Käufers häufig schon gesiegt. Doch Stopp, schauen wir uns die Ratio näher an.

Eine Fichte in Deutschland kann bis 600 Jahre alt werden. Die forstwirtschaftliche Verwertung beginnt früher, also etwa nach 80 bis 100 Jahren. Wer heute also nicht schon ein verwertbares Waldstück sein eigen nennt, wird lange warten müssen, bis ein Kapitalertrag zu erwarten ist.

Also werden Geldanlagen in Holz auf Regionen konzentriert, wo schon nach 8 Jahren „Ernteerträge“ möglich sein sollen. Das geht tatsächlich, wenn man an Edelholzplantagen in Südamerika oder Asien denkt. Ob man bei solchen Geldanlagen unbewusst oder marketingmäßig geschickt den Begriff „Edelholz“ verwendet und damit etwas besonders hochwertiges suggerieren will, soll hier nicht im Mittelpunkt stehen.

Foto von dotcompals/Flickr

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Die ersten Kapitalerträge sind also in einem überschaubaren Zeitraum zu erwarten. Argumente aus der Rohstoffverknappung, schrumpfenden Anbauflächen, steigender Nachfrage bei vermögenden Asiaten und nicht zu unterschätzen die Werthaltigkeit der Sachwertanlagen komplettieren die Verkaufsstory, die inzwischen mancher Vermögensberater in sein Portfolio aufgenommen hat.

Vorsicht vor dem Holzweg

Viele der aufgeführten Argumente klingen vernünftig. Wenn man sich dann noch ein weltweites Edelholz-Umsatzvolumen mit fast 8 Milliarden Euro sowie eine weitgehend stabile Preisentwicklung, dann muss doch an dieser Idee etwas dran sein und man brauchte nur noch zuzuschauen, wie die Rendite wächst und alle Sorgen mit der sonstigen Niedrigzinsphase lösen sich in Rauch auf.

Da kaum Erfahrungen mit Anbietern dieser Geldanlagen vorliegen, ist sicher kritisches Hinterfragen dennoch zu empfehlen. Michael Zieren, Makler in Hessen, empfiehlt bei solchen Angeboten zunächst den Prospekt des Anbieters anzufordern, Plausibilitäten zu prüfen und Recherchen über die konkreten Edelholzplantagen und Marktpreise im allgemeinen mit den Anbietern der Anlageprodukte abgleichen. Nach seiner Meinung ist es auch empfehlenswert, sich den Handelsregisterauszug der Firma und die Erfahrungen anzuschauen, die diese mit ähnlichen Projekten schon hatte.

Foto von  MaretH/Flickr

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Nicht zu unterschätzen sind auch die politischen Verhältnisse in den Ländern, in denen solche Edelholz-Plantagen neu angelegt werden. Welche Garantien gibt es für die Kapitalanleger, wenn Brände, Unwetter Wilderer oder auch Enteignungen den Holzbestand bedrohen? Welchen Wert hat ein Vertrag zwischen deutschen Kunden und einem ausländischen Anbieter zu einem Vertragsgegenstand in einem Drittland? Wie wird die Wertentwicklung bei Edelholz in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren sein?

Bevor wir alle unter dem Weihnachtsbaum sitzen, gilt in Sachen Geldanlage in Holz:

Eine Ergänzung von Kapitalmarktanlagen mit ökologischen Sachwerten ist durchaus eine Überlegung wert. Als kleinprozentige Beimischung alle mal. Es gilt aber die Erfahrungen, dass der Kunde die wirtschaftliche Solidität und die versprochenen Erträge der Anbieter dieser Geldanlagen kritisch prüfen sollte.

Wohin überzogene Geldwertversprechen führen, haben in 2013 schon tausende Anleger bei dubiosen Sachwertprodukten zu spüren bekommen. Künstlich gepushte Goldmarktpreise und unrealistische Renditeversprechen aus Orderschuldverschreibungen sollten über das Jahr hinaus heilsam genug gewesen sein.

Oder wie sehen Sie das?


Dr. Peter Schmidt

Peter_Schmidt_Portrait

Experte Personenversicherungen und Unternehmensberater im Bereich Versicherungen, Vertriebe und Makler mit langjähriger Erfahrung als Führungskraft und Vorstand bei deutschen Versicherern und twittert als „assekuranzdoc“. Besuchen Sie auch seine Webseite und werden Sie Fan von Dr. Schmidt auf Facebook.