Stiller Abschied für „Altersvorsorge macht Schule“


 

von Markus Rieksmeier

Die Initiative „Altersvorsorge macht Schule“ wird geräuschlos eingestellt, meldet das DIA-Institut. Laut einer Sprecherin habe das Anfang 2007 ins Leben gerufene Projekt über den Verbreitungsweg der Volkshochschulen „keine Potenziale“ mehr. 

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Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA), im Wesentlichen von der Deutschen Bank Gruppe getragen, berichtet vom kommenden Ende von „Altersvorsorge macht Schule“. Die Initiative war Anfang 2007 von der Bundesregierung unter der Schirmherrschaft des damaligen Sozialministers Franz Müntefering gegründet worden. Seinerzeit regierte bekanntlich eine große Koalition aus CDU und SPD. So dass eine überparteilich angelegte Initiative zur Finanzbildung der Deutschen glaubhaft und angesagt war.

Das Ziel lautete, die Deutschen angesichts der damals frisch beschlossenen Rente mit 67 fit für die Zusatzvorsorge zu machen. Kürzer und konkreter: Die Menschen sollten mehr privat vorsorgen! Noch kürzer: Riestert! (Gefälligst!).

Bildquelle: Altersvorsorge macht Schule

„Altersvorsorge macht Schule“ war durchaus als gesellschaftlich förderlich gemeinte Initiative von Deutschem Gewerkschaftsbund, VZBV Bundesverband [Kann man komplizierter heißen?] und den deutschen Arbeitgebern (BDA) angelegt. Unter Federführung der Deutschen Rentenversicherung Bund [nochmal: kann man komplizierter heißen?] entstand ein Lehrplan.

Dieser sollte angezielt 20.000 Bürgern mehr Finanzwissen vermitteln. Geballtes Finanzwissen: 270 Folien Powerpoint-Präsentation plus 277 Seiten Begleitbuch sollten Bürger fit machen, für sich selbst privat vorzusorgen. Konkret: Damit der Bürger für sich vorsorgt (Volksmund: „Hundert Euro oder so …“), soll oder sollte er 547 Seiten Informationen verarbeiten.

Einfacher gesagt: Zum Riestern: 547 Seiten Text und Bild. Übrigens hat ein normales Riester-Angebot zum Beispiel der Allianz einen Umfang von lediglich von 80 informativen Seiten Papier. Immerhin wurde „Altersvorsorge macht Schule“ portioniert: auf sechs Einzelveranstaltungen à 90 Minuten.

Sachlich neutral formuliert lässt sich sagen: Die meisten Teilnehmer wurden dem hohen Bildungsanspruch nicht gerecht. (Ungenannt bleiben wollende) Referenten der Deutschen Rentenversicherung berichten von „leeren Rängen“ spätestens ab Teil vier von sechs Veranstaltungen. Die Referenten selbst waren auf Rückfragen (sehr weniger!) engagierter Teilnehmer fachlich nicht vorbereitet, obwohl ihnen „Altersvorsorge macht Schule“ sechs volle Tage lang „gebimst“ wurde.

Schließlich mussten die Referenten, eigentlich und wirklich Fachleute der Deutschen Rentenversicherung, sich in das Feld der Privatversicherung komplett neu einarbeiten. Rückmeldungen, nein: Proteste der Referenten ignorierte die Deutsche Rentenversicherung. Souverän.

Allein wirklich einfachste Informationen zu den Grundleistungen der Deutschen Rentenversicherung „Bund“ [kann man komplizierter heißen?] „dauerten“ bei „Altersvorsorge macht Schule“ 40 Seiten Powerpoint. Informationen zur Betriebsrente (die einfache Entgeltumwandlung) erfüllten den Anspruch an eine Versicherungsvertreter-Fortbildung bAV I (60 Seiten Powerpoint), wobei die einfachste Information – der Rechtsanspruch auf Entgelt-Unmwandlung – vergessen wurde.

Wohlgemerkt: Für Laien – nicht solche Versicherungs-Fachleute, die bereits seit zwei bis drei Jahren Versicherungen verkaufen, und die sich weiter entwickeln in Richtung Betriebsrente möchten! Die komplette Fachkritik an „Altersvorsorge macht Schule“ füllt eine Liste von zwei Din A4-Seiten.

Es ist zu bezweifeln, ob „Altersvorsorge macht Schule“ in Gänze – und nicht pro Jahr seit 2007 – wirklich 20.000 Bürger erreicht hat. Die kolportierten Kosten von 10 Millionen Euro scheinen dagegen eher sicher; eine Bestätigung darüber war von der Initiative nie zu erhalten.

Zurück zu den „Potenzialen“ der Initiative, die ursprünglich 20.000 Bürger erreichen sollte: Diese liegen bei locker 20 Millionen. Menschen, die vorsorgen. Müssen!

Ruhe in Frieden.