Munich Re: Erdbeben und Hitzewelle mit vielen Todesopfern in Asien prägen Naturkatastrophenbilanz bis Juni

PRESSEMITTEILUNG – Das Erdbeben in Nepal und die Hitzewelle in Indien und Pakistan haben das Bild der Naturkatastrophen des ersten Halbjahres 2015 geprägt. Bei den beiden Naturkatastrophen kamen rund 12.000 Menschen ums Leben. Insgesamt starben bei Unwettern und Erdbeben des ersten Halbjahres über 16.000 Menschen.

Damit kamen bis Ende Juni deutlich mehr Menschen bei Naturkatastrophen ums Leben als im Vorjahr (2.800), allerdings deutlich weniger als im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre (27.000). Die Gesamt- und die versicherten Schäden lagen unter den langjährigen Durchschnittswerten. Insgesamt waren im ersten Halbjahr 2015 Schäden von 35 Mrd. US$ zu verzeichnen, während der Durchschnittswert der vergangenen 30 Jahre preisbereinigt rund 64 Mrd. US$ betrug. Die versicherten Schäden betragen in diesem Jahr bislang 12 Mrd. US$, der langjährige Durchschnitt war 15 Mrd. US$.

„Die Naturkatastrophen des ersten Halbjahres lehren uns erneut, dass die Anfälligkeit gegenüber Naturkatastrophen insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern verringert werden muss. Dies, um vor allem die Menschen besser zu schützen, aber auch um die Schäden möglichst gering zu halten“, sagte Torsten Jeworrek, im Vorstand von Munich Re für das weltweite Rückversicherungsgeschäft zuständig. „Gleichzeitig sehen wir, dass natürliche Klimazyklen, wie die derzeitige El-Niño-Phase, das Auftreten von Wetterextremen regional unterschiedlich beeinflussen. Daher ist es wichtig, Wissen aus der Forschung mit den Trends in der Schadenstatistik zusammenzuführen. Dabei wollen wir weiter Vorreiter sein, um sinnvolle schadenmindernde Maßnahmen zu fördern.“

Die wesentlichen Ereignisse des ersten Halbjahres weltweit:

  • Am 25. April verursachte ein Erdbeben der Magnitude 7,8 in ganz Nepal, vor allem in der Hauptstadt Kathmandu, katastrophale Zerstörungen. 8.850 Menschen wurden getötet, Teile des kulturellen Erbes der Menschheit zerstört. Es war nicht nur die Naturkatastrophe mit den meisten Todesopfern des ersten Halbjahres, sondern gemessen an den Gesamtschäden auch das schwerwiegendste Ereignis. Der Gesamtschaden betrug 4,5 Mrd. US$, davon waren nur 140 Mio. US$ versichert. Die Dimension der Schäden für das Land offenbart sich bei der Betrachtung der Wirtschaftskraft: Sie machten knapp ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts eines Jahres aus. Bei einem weiteren Beben der Magnitude 7,3 zweieinhalb Wochen später kamen nochmals etwa 230 Menschen ums Leben.
  • Die teuerste Naturkatastrophe für die Versicherungswirtschaft im ersten Halbjahr war eine Reihe von Winterstürmen, die Ende Februar den Nordosten der USA und Kanadas trafen. Der versicherte Schaden betrug 1,8 Mrd. US$, die Gesamtschäden 2,4 Mrd. US$. Außerdem war der Winter, wie schon im Vorjahr, im Nordosten der USA ungewöhnlich kalt und schneereich. In Boston fielen den Winter hindurch insgesamt fast drei Meter Schnee, was einen absoluten Rekord darstellt. Der aus der Stadt abtransportierte Schnee wurde am Hafen auf freiem Gelände aufgetürmt. Der Schneeberg ragte noch Ende Mai meterhoch hinauf. Insgesamt entstanden durch den harten Winter 2014/15 in den USA direkte Gesamtschäden von 4,3 Mrd. US$, davon waren 3,2 Mrd. US$ versichert. Die indirekten Schäden durch Flugverspätungen, Stromausfälle und Geschäftsunterbrechungen sind hierbei nicht eingerechnet. Auf den kürzeren Zeitraum Januar bis Ende des Winters entfielen 3,8 Mrd. US$ Gesamtschäden, davon 2,9 Mrd. US$ versichert.
  • Eine ganze Serie von Unwettern vom Süden der USA bis nach Mexiko, die in dieser Schwere dort eher unüblich sind, verursachte zwischen April und Juni jeweils Schäden über einer Mrd. US$, davon war jeweils rund eine dreiviertel Mrd. US$ versichert. Im ersten Halbjahr betrug der Schaden in den USA durch solche Unwetter, die teilweise von Tornados oder Hagel begleitet wurden, 6,5 Mrd. US$, davon waren 4,8 Mrd. US$ versichert.
  • Die teuerste Naturkatastrophe in Europa war der Wintersturm Niklas, der in den letzten März-Tagen mit Windgeschwindigkeiten von in der Spitze circa 200 km/h über weite Teile Zentraleuropas hinweg zog. Zahlreiche Gebäude und Fahrzeuge wurden beschädigt. Der Gesamtschaden betrug 1,4 Mrd. US$ (1,3 Mrd. €), davon war rund eine Mrd. US$ (900 Mio. €) versichert. Insgesamt war die Wintersturmsaison in Europa mit 13 Orkanen relativ aktiv verglichen mit dem langfristigen Durchschnitt von 4,6.
  • Am Ende des ersten Halbjahres ereignete sich in Indien und Pakistan eine ungewöhnlich starke Hitzewelle, bei der rund 3.600 Menschen starben. Zwar sind Hitzewellen in der Region vor Beginn der Monsunzeit normal, jedoch lagen die Temperaturen mit in der Spitze 47 °C außergewöhnlich hoch. In einigen Regionen sorgten wenig Wind bei gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit für eine noch extremere Wirkung der Temperaturen noch extremer wirkten.

Die Entwicklung bei vielen wetterbedingten Ereignissen in diesem Jahr passt zur gegenwärtigen Ausprägung der Klimaschaukel ENSO im Pazifik, die verschiedene Wetterextreme in vielen Teilen der Welt beeinflusst. Derzeit herrschen moderate bis starke El Niño-Bedingungen vor, wodurch beispielsweise Schwergewitter mit Tornados im Süden der USA häufiger auftreten. Sehr starke tropische Wirbelstürme im Pazifik kommen unter diesen Bedingungen ebenfalls häufiger vor, während die Entstehung von Hurrikanen im Nordatlantik tendenziell gedämpft wird.

Es wird erwartet, dass sich die derzeit bereits intensive El-Niño-Phase bis in den Herbst weiter verstärkt und dann zu Beginn des nächsten Jahres wieder abklingt. Je stärker ein El Niño ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass die ENSO-Schaukel im Folgejahr bereits in eine La-Niña-Phase umschlägt. Dann kehren sich auch die Einflüsse auf die jeweiligen Wetterextreme tendenziell um. „Die Trends 2015 mit vielen Unwettern im Süden der USA und bisher geringer Hurrikanaktivität im Nordatlantik war so zu erwarten. Auch die Schwere der Hitzewelle in Indien und Pakistan wurde vermutlich von den El-Niño-Bedingungen mit beeinflusst“, sagte Peter Höppe, Leiter der GeoRisiko-Forschung von Munich Re.

Gleichzeitig warnte er davor, für die Hurrikansaison 2015 Entwarnung zu geben. So ereignete sich etwa 1992 Hurrikan Andrew in einer insgesamt sehr ruhigen Saison, war aber einer der stärksten tropischen Wirbelstürme überhaupt. Mit Gesamtschäden von 26,5 Mrd. US$, davon 17 Mrd. US$ versichert, ist Andrew auch preisbereinigt immer noch der viertteuerste Sturm aller Zeiten. „Die El-Niño-Phase nimmt Einfluss auf die Hurrikanaktivität, aber nicht darauf, ob und wo ein Sturm auf Land trifft. Sollte also ein schwerer Sturm entstehen und auf einen Ballungsraum treffen, sind gleichwohl hohe Schäden möglich“, so Höppe.