Genossenschaft spannt Schutzschirm für Hebammen

  • Haftpflichtexperten erarbeiten mit Hebammen zukunftssicherndes Konzept

  • Abstimmung mit Politik, Versicherern und interessierten Verbänden

  • Transparenz der Datenlage zu bisherigen Schäden angemahnt

PRESSEMITTEILUNG – Meerbusch, 17. Juni 2014. Die derzeitige für die gesamte Geburtshilfe dramatische Situation extrem hoher Versicherungskosten will die neu gegründete Genossenschaft Heilwesennetzwerk e.G. mit einem an den Berufsalltag ausgerichteten Maßnahmenkatalog auflösen. Im Zusammenspiel mit Vertretern interessierter Berufsstände und Versicherer entsteht ein für die Geburtshilfe nachhaltig finanzierbarer Schutzschirm. Davon werden aktuell vor allem auch die Hebammen profitieren, die sich die hohen Versicherungsprämien gegenwärtig nicht mehr leisten können.

Die Versicherungsbeiträge sowohl in der klinischen als auch in der außerklinischen Geburtshilfe schießen seit Jahren in die Höhe. Weitere Anhebungen der Prämien sind schon für das Jahr 2015 angekündigt. Besonders hart betroffen sind freiberufliche Hebammen und Geburtshäuser. Maßgeblicher Grund dafür sind der fehlende Wettbewerb auf Versicherer- und Maklerseite sowie mangelnde Transparenz bezüglich der Berechnungsgrundlagen für die Prämien. Gleichzeitig sind bislang die Berufsverbände mit der Organisation eines nachhaltig finanzierbaren Versicherungsschutzes überfordert. Der von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe angestrebte Teilregressverzicht durch die gesetzlichen Krankenversicherungen hilft den Hebammen auch nur dann, wenn der GKV-Spitzenverband seine Übernahme für die Beitragserhöhungen auch über die gerade erst beschlossene Frist bis Mitte 2015 hinaus aufrechterhält.

„Bei ihren Forderungen nach einer langfristigen Lösung der Versicherungsproblematik erfahren die Hebammen zwar viel Unterstützung und allgemeine Sympathie. Allerdings mehren sich kritische Stimmen, die jenseits von berechtigten Emotionen konkrete eigene Maßnahmen der Hebammen selbst fordern“, so Genossenschaftsvorstand Horst Peter Schmitz. „Nach unseren Erfahrungen aus zahlreichen Gesprächen sind viele Hebammen sehr an professionelleren Rahmenbedingungen interessiert, die sich zumindest teilweise mit den Forderungen der Politik decken“. Diese beziehen sich vornehmlich auf die Einrichtung von Qualitätsstandards und einer validen Datengrundlage.

Einheitliche Standards bei der Risikoaufklärung schützen Hebammen

Die Forderung von Minister Gröhe nach Sicherung der Qualität löst bei den Hebammen unterschiedliche Reaktionen aus. Unabhängig von den bis Ende 2014 geforderten Ergebnissen aus den Verhandlungen zwischen GKV-Spitzenverband und Berufsverbänden sind professionelle Leitlinien und Standards erforderlich. Nach Ansicht von Schmitz sei grundsätzlich ein einheitliches, professionelles System zur Risikoaufklärung, zum Einverständnis und zum Behandlungsvertrag einzuführen, das den unterschiedlichen Formen der Geburtshilfe anzupassen wäre. Eine Vereinheitlichung bedeute Schutz der Hebammen im Bereich der Risikoaufklärung.

Qualitätsmanagement führt zu Kostenersparnissen

Moderne, prozessgesteuerte QM-Systeme sind bereits vorhanden, erfüllen diese Anforderungen nachhaltig und dienen auch der Absenkung von Versicherungsprämien. Sie sind praxisnah und verursachen nur geringe zusätzliche Arbeitsbelastungen der Hebammen. Der finanzielle Aufwand ist sehr überschaubar und steht in einem überaus günstigen Verhältnis zum Sicherheitsgewinn und zu den möglichen Prämieneinsparungen. Schmitz: „Gemeinsam mit unseren QM-Expertinnen bietet unser Netzwerk diese modernen Systeme allen Hebammen an. Um den Einsatz von modernen QM-Systemen honoriert zu bekommen, führen wir bereits mit der Politik und dem GKV-Spitzenverband Verhandlungsgespräche. Wir nehmen jetzt die Gespräche mit den Versicherern auf und präsentieren ihnen ein neues, für alle Beteiligten lukratives Geschäftsmodell.“ Das Hebammenzentrum München, Genossenschaftsmitglied im Heilwesennetzwerk, hat bereits durch eigene Maßnahmen und Verhandlungen mit den Versicherern den Prämienaufwand deutlich reduzieren können.

Transparente Datenlage würde zu Qualitätsverbesserungen führen

Um QM-Systeme auf hohem Niveau standardisieren zu können, müssen zuvor die Daten zu bisherigen Schadenfällen erst genau analysiert und dann anonymisiert werden. Dabei ist nach vorgeburtlichen Schäden, Geburtsschäden und Schäden, die im Wochenbett entstehen zu differenzieren. Die Datenlage muss anonymisiert allen Hebammen zur Verbesserung ihrer Qualität zugänglich sein. Schmitz: „Diese Daten liegen vor, werden aber nicht transparent gemacht. So können mögliche Fehler, die Menschenleben betreffen und hohe Schadenzahlungen verursachen, nicht erkannt und abgestellt werden.“ Diese Intransparenz bei der Datengrundlage führt zu ungerechtfertigten Pauschalierungen komplexer Fragestellungen und vor allem zu einer diskriminierenden Systematik der Prämienkalkulation für verschiedene Hebammengruppierungen. Hier ist vor allem die Politik aufgerufen, diese Transparenz nachhaltig einzufordern. „Es darf nicht hingenommen werden, wenn Verbände diese für zukünftige Geburten und somit für Eltern, Kinder und Hebammen wichtigen Schadendaten unter Verschluss halten“, so Schmitz.

Über das Heilwesennetzwerk RM eG

Als Genossenschaft ist das Heilwesennetzwerk die Interessenvertretung für Hebammen, Krankenhäuser/Pflegeeinrichtungen und Heilberufe/Pflegeberufe in allen Fragen des Risiko- Managements (RM). Zweck der Genossenschaft ist, die Mitglieder bei ihrer Tätigkeit zu einer Verbesserung der Wirtschaftlichkeit zu unterstützen/verhelfen.

Den Mitgliedern hilft das Netzwerk, die Vorteile als Einkaufsgemeinschaft zu nutzen, Versicherungsbeiträge spürbar und nachhaltig zu reduzieren, sie in Versicherungsfragen durch neutrale Experten des Netzwerkes zu beraten und zu betreuen sowie Kooperationen mit Spezialisten im Heilwesen herzustellen.

Aufsichtsratsvorsitzender ist der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Ärzteversicherung Rechtsanwalt Dr. Dirk Geitner. Vorstand des genossenschaftlichen Netzwerkes ist Dipl.-Betriebswirt Horst Peter Schmitz, ehemals Geschäftsführer und Generalbevollmächtigter von national und international führenden Maklerhäusern. Ein Team aus unabhängigen Experten der Versicherungswirtschaft, der Forschung sowie Fachleute aus dem Bereich Qualitätsmanagement und Unternehmensbegleitung unterstützt die Genossenschaft bei ihrer Tätigkeit.