Sprechstunde beim @AssekuranzDoc: Die fünf Innovationsbremsklötze bei Maklern und Versicherern (1)

Eher Frust als Lust auf Innovationen. Das ist in vielen kleinen und großen Unternehmen der Versicherungs- und Finanzbranche Alltag. Aktionismus statt kontinuierlicher Innovation soll den Bedarf nach ständigen Innovationen ersetzen. Warum ist das so?

Es scheint ein Problem unserer deutschen Mentalität zu sein, dass unsere Wirtschafts- und Dienstleistungsunternehmen zwar eine große Rolle auf dem Weltmarkt spielen, aber die Innovationen zu langsam oder außerhalb Deutschlands zuerst umgesetzt werden. Wie im Großen so im Kleinen. Viele Versicherer traben den technischen Entwicklungen hinterher und schauen wie gebannt auf die Marktführer, was sich dort tut. So verwundert es auch nicht, wenn die Allianz auf ihrem französischen Twitter verkündete, der erste Versicherer auf der Apple Watch zu sein.

Und am Point Of Sale, dem einzelnen Vermittler, ist es kaum anders. Man bestaunt die Umsätze und wirtschaftlichen Möglichkeiten der größeren Vermittlerfirmen – das war es dann aber schon. Besonders bei Einzelmaklern und kleineren Vermittlerbetrieben ist angesichts der aktuellen Problemgemengelage aus immer stärkerer Regulierung durch die Politik, sinkenden Einnahmen, steigenden Kosten und verändertem Kundenverhalten viel Frustration anzutreffen. Man sieht kein Land mehr.

Versuchen wir einmal die wichtigsten Gründe für das nicht vorhandene Wollen und Können für Neuerungen zu erfassen.

Bremsklotz 1 – Strukturen für Innovationen

Einzelunternehmer und Inhaber mittelständischer Firmen sind meist so stark in die operativen Beratungs- und Vertriebsaufgaben eingebunden, dass weder Zeit für eine Unternehmensstrategie noch für eine regelmäßige Innovationen bleibt. Lediglich bei technisch affinen Vermittlern ist zumindest die technische Erneuerung der Hardware in guten Händen.

Bei den Einzelvermittlern kann nur eine gutes Zeitmanagement Freiräume für Analysen und Überlegungen für die Einbeziehung von Innovationen schaffen. Investments in externes Coaching kann zusätzliche Ressourcen für die notwendigen Innovationsprozesse bringen.

Bei den Versicherern ist die Trennung von Verantwortlichkeiten für Erneuerungen in verschiedene Bereiche ein wesentlicher hemmender Faktor. Produktentwicklung, technische Erneuerung oder neue Marketing-ideen werden jeweils separat entwickelt und nach Abstimmungsrunden umgesetzt.

Das Ressort- oder Bereichsdenken schränkt Kreativität und Innovationen schon deshalb ein, weil neben der Umsetzung der Erneuerung noch die Schranken zwischen den Bereiche zu überwinden sind. Und die sind nicht nur fachlich bedingt. Persönliche Egoismen, wer welche Ressourcen nutzen kann, können bei einer schwachen Unternehmensführung zum echten Problem werden.

Was Vertrieb will muss bei der Betriebsorganisation oder der Produkt- entwicklung noch lange keine Begeisterung finden. Und wenn zwischen den (Vorstands-)Bereichen der Kampf um die Ressourcen beginnt, dann werden gute Ideen schnell vom hochfliegenden Adler zum Spatz.

Wer kontinuierlich an einer Verbesserung der Effektivität arbeiten will, muss den Bereich Innovationen auch zentral führen und so einen Führungsbereich dann auch mit Kompetenzen ausstatten.

Wissenschaftliche Erkenntnisse der „Pfadforschung“ können hier wichtige Impulse setzen. Dabei spielt die absorptive Capacity – konzipiert als Fähigkeit eines Unternehmens, externes Wissen aufzunehmen und für innovative Zwecke zu nutzen – als Schlüsselfaktor für den Innovationserfolg von Unternehmen eine große Rolle.

Bremsklotz 2 – Entscheidungen treffen

Der Einzelunternehmer oder Mittelständler hat in der Frage der Entscheidung über Innovation alle Karten in der eigenen Hand. Er oder sie wird sich deshalb eher mit der Frage des zu erreichenden Ziels, der Auswahl der für die eigene Firma richtigen Erneuerungen und den Investitionskosten befassen. Die Entscheidungswege können beispielsweise auch bei mehren Gesellschaftern einer Makler-GmbH kurz sein.

Bei größeren oder großen Unternehmen der Branche sieht das schon anders aus. Die deutsche Regulierungswut schlägt voll durch, wenn Vorstandsentscheidungen zu Innovationen nach der fachlichen Projekt- entwicklung noch in die Abstimmungsrunden mit den jeweiligen Rechtsabteilung, Konzerntöchtern oder sogar den Aufsichtsgremien gehen.

Häufig können erst externe Beratungsunternehmen starre Strukturen und Regelwerke aufbrechen. Was in einzelnen Unternehmen dann noch gelingt ist bei Branchenprojekten fast eine Sache der Unmöglichkeit. Exemplarisch sei hier nur an des „Schneckentempo“ der Umsetzung von einheitlichen technischen Standards benannt.

BIPRO-Präsident Frank Schrills benannte angesichts von lediglich 30 Unternehmen, die die Standards bei der Vermittlerabrechnung umsetzen wollen, die Probleme gegenüber Versicherungswirtschaft heute so:

„Die Nutzung von Standards beziehungsweise einer gemein-schaftlichen digitalen Sprache zur Optimierung der Geschäfts-prozesse ist mittlerweile unabdingbar… Es gibt aber auch noch Felder, die verbessert werden können, zum Beispiel die Qualität mancher Umsetzungen ist noch ausbaufähig. Auch hinsichtlich der Geschwindigkeit ist die Herausforderung für die Versicherungs-wirtschaft gegenwärtig: Die Branche muss noch schneller auf Standards setzen.“

Auch das GDV-Maklerportal konnte noch nicht zu einer Erfolgsstory für effizienteren Datenaustausch zwischen Versicherern und freien Vermittlern entwickelt werden. Bisher beteiligen sich daran lediglich 23 eher kleinere Versicherer. Das ist eigentlich ein Trauerspiel.

Fazit

Kleine, mittlere und großen Marktteilnehmern der Versicherungsbranche erkennen durchaus die Notwendigkeit von Innovationen in den Informationstechnologien und Prozessen in Be- und Vertrieb. Es fehlt aber nicht selten eine aktive und zielgerichtete Gestaltung der kontinuierlichen Erneuerung. Stattdessen handelt man oft nur reaktiv als „Getriebener“ .

 

Lesen Sie mehr dazu im zweiten Teil meiner Kolumne in der nächsten Woche.

 


Dr. Peter Schmidt AssekuranzDocExperte Personenversicherungen und Unternehmensberater im Bereich Versicherungen, Vertriebe und Makler mit langjähriger Erfahrung als Führungskraft und Vorstand bei deutschen Versicherern und twittert als @AssekuranzDoc. Besuchen Sie auch seine Webseite und werden Sie Fan von Dr. Schmidt auf Facebook.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Die Verzahnung von Branchenkenntnissen der Finanzwelt mit IT Know How, schafft Innovationsschübe und Wachstumspotential. Die Kooperation von Experten beider Bereiche erlaubt Potenzial und Innovationskraft der IT auszuschöpfen. Die Kluft zwischen diesen zwei Fachbereichen gilt es erfolgreich zu überwinden.

    Konzerne und IT Unternehmen können gemeinsam Wertschöpfung schaffen. Konzernstrukturen treffen dabei auf die Unternehmenskultur innovationsgetriebener IT Firmen.

    Erfolgreiche Unternehmen haben Mut für neue Wege und Änderung etablierter Vorgänge.

    Expertise in beiden Fachgebieten finden Sie bei FABIS vereint. Vorhandene Lösungen können als Basis im Projekt dienen. Erfahrungen in IT Projekten der Versicherungsbranche können effektiv eingesetzt werden.

    Die Notwendigkeit von Innovation ist hinreichend bekannt, jetzt sind die Maßnahmen zu ergreifen!

  2. Makler und Versicherer haben inzwischen erkannt, dass digitale Startegien schnellstmöglich eingeführt werden müssen. Es fehlt aber an einer zielgerichteten Umsetzung.

    Der Prozess, digitale Lösungen einzuführen wird durch die engen Strukturen, die das Abstimmen mit vielen Abteilungen mit sich bringt, verlangsamt. Aber so muss es nicht sein.

    Auch wir sind der Meinung, dass Versicherungsunternehmen durch das Know-How von externen IT-Unternehmen profitieren und digitale Lösungen schneller erarbeiten können. So kann ein effektives Tool schnell einführt werden, ohne dass ein großer Aufwand für interne IT entsteht.

    Wenn Sie sich für digitale Tools für Makler und Versicherer interessieren, könnte dieser Artikel für Sie interessant sein: http://www.insinno.de/maklerpool-pma-setzt-auf-online-plattform-x-sales/

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