Der deutsche Maklermarkt steuert auf einen Strukturbruch zu: Laut der neuen „AssCompact Trendstudie Maklermarkt 2030+“ werden Digitalisierung, Plattformgeschäft, Konsolidierung und die ungelöste Nachfolgefrage den unabhängigen Versicherungsvertrieb bis 2030 spürbar verändern. Für die Untersuchung wurden nach Angaben von AssCompact 1.042 Versicherungsmakler befragt, überwiegend aus mittelständischen Maklerhäusern und regional tätigen Betrieben. Das Ergebnis ist kein Alarmruf, aber ein deutliches Signal: Die Branche wird kleiner, stärker technisiert und professioneller – während vor allem kleinere Maklerhäuser zunehmend zwischen Investitionsdruck, Fachkräftemangel und Nachfolgeproblem eingeklemmt werden. Wachstum erwarten die Befragten vor allem in der gewerblichen Sachversicherung und in der betrieblichen Krankenversicherung. 54 Prozent sehen laut Studie weiteres Potenzial in der gewerblichen Sachversicherung, 56 Prozent in der bKV. Zugleich zeigt sich eine klare Trennlinie im Markt: Standardisierte Produkte wandern stärker auf digitale Schienen, beratungsintensive Sparten bleiben beim persönlichen Vertrieb. So gehen bereits 62 Prozent der befragten Makler davon aus, dass das private Sachgeschäft künftig überwiegend über Plattformen abgewickelt wird. Bei Altersvorsorge, Einkommensabsicherung und biometrischen Risiken dagegen zählt nach Einschätzung der Befragten weiterhin, was sich nicht automatisieren lässt: Spezialisierung, Fachwissen und Kundennähe.
Plattformgeschäft wächst – persönliche Beratung bleibt der Gegenpol
Die AssCompact-Studie beschreibt damit einen Maklermarkt, der sich nicht einfach digitalisiert, sondern spaltet: hier das schnelle, standardisierte Plattformgeschäft; dort die komplexe Beratung, bei der Vertrauen, Risikoanalyse und Fachkompetenz weiterhin den Unterschied machen. Gerade diese Antithese prägt den Blick auf 2030. Während einfache Sachprodukte zunehmend wie Ware durch digitale Kanäle laufen dürften, behalten Personenversicherungen ihren beratungsintensiven Charakter. Für Makler bedeutet das: Wer künftig nur verwaltet, gerät unter Druck; wer spezialisiert berät, kann sich abheben. Doch dieser Weg kostet. Größere Maklerhäuser haben laut den Studienergebnissen bereits jetzt Vorteile, weil sie eher in Technologie, Prozesse und Fachkräfte investieren können. Während rund 30 Prozent der Betriebe mit Jahresumsätzen bis 250.000 Euro in den vergangenen drei Jahren stabile oder rückläufige Umsätze meldeten, berichten Maklerhäuser ab 751.000 Euro Umsatz laut AssCompact nahezu durchgängig von positiven Geschäftsentwicklungen. Das ist mehr als eine Momentaufnahme. Es deutet darauf hin, dass Größe im Maklermarkt zunehmend zum Wettbewerbsfaktor wird – nicht zwingend als Selbstzweck, aber als Voraussetzung für Skaleneffekte, Datenmanagement, digitale Tools und professionellere Abläufe.
Nachfolgefrage wird zum Engpass für unabhängige Vermittler
Besonders scharf zeichnet die „AssCompact Trendstudie Maklermarkt 2030+“ die demografische Flanke der Branche. Rund 70 Prozent der befragten Makler sind älter als 50 Jahre, 56 Prozent sogar älter als 55 Jahre. Damit rückt die Nachfolgefrage vom Randthema ins Zentrum der strategischen Planung. Vor allem kleinere Maklerhäuser stehen vor der Frage, ob sie intern übergeben, verkaufen oder über Verrentungsmodelle aussteigen. Fast jeder zweite Befragte, konkret 46 Prozent, favorisiert laut Studie inzwischen externe Lösungen wie Unternehmensverkauf oder Verrentung. Die Folgen könnten den Markt sichtbar ausdünnen: Mehr als 60 Prozent der Makler erwarten mittelfristig einen deutlichen Rückgang der Zahl unabhängiger Vermittler in Deutschland. Der Maklermarkt dürfte also nicht verschwinden, aber sein Gesicht verändern. Weniger Betriebe, größere Einheiten, mehr Spezialisierung, mehr Technologie – das ist die Linie, die AssCompact aus den Befragungsergebnissen ableitet. Für kleine Häuser ist das keine komfortable Perspektive. Für professionell aufgestellte Maklerbetriebe kann der Wandel dagegen zur Chance werden: nicht durch Jubelsprünge über die Konsolidierung, sondern durch klare Positionierung in einem Markt, der künftig weniger Platz für Zufall lässt.
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