Vema-Beteiligung an BCA: Johannes Neder warnt Makler vor Lock-in-Risiken und Private-Equity-Druck

Die Vema hat sich mit 9,9 Prozent an der BCA beteiligt – und nach Darstellung von Vema-Vorstand Johannes Neder geht es dabei um deutlich mehr als eine klassische Finanzbeteiligung. Im procontra-Interview mit Nadine Wiesenthal erklärt Neder, dass Makler angesichts der zunehmenden Marktkonsolidierung sehr genau prüfen müssten, auf welche Plattformen und Verbünde sie ihre Prozesse ausrichten. Der Kern seiner Warnung: Wer sich zu stark an einen Anbieter bindet, kann später in Lock-in-Effekte geraten – technisch, prozessual und wirtschaftlich. Gerade in einer Phase, in der Private Equity bei Maklerpools und Plattformen wie Fonds Finanz, DEMV, Blau Direkt oder Netfonds größere Einheiten entstehen lässt, werde die strategische Abhängigkeit für Makler zu einem zentralen Thema. Neder beschreibt den Markt als „Landgrabbing-Phase“, in der Größe, IT-Investitionen und Datenstrukturen immer wichtiger werden. Die Vema sieht sich dabei als genossenschaftlich organisiertes Gegenmodell: Makler seien dort nicht nur angebunden, sondern hätten Stimmrechte. Die Beteiligung an der BCA soll deshalb nach Nedereinschätzung auch verhindern, dass ein wichtiger Investmentpartner plötzlich von einem Dritten übernommen wird und Vema-Makler vor neuen Spielregeln stehen.

Private Equity, Gebührenmodelle und Investment: Makler müssen genauer hinschauen

Neder spart im procontra-Gespräch nicht mit Bildern: „Die Brücken sind gebaut, und jetzt stellt man Wärterhäuschen auf. Wer hinüber will, zahlt Zoll.“ Gemeint sind Gebührenmodelle, Marketingpakete und Zugangshürden, die entstehen können, wenn Plattformen unter Renditedruck geraten. Er betont zwar ausdrücklich, dass andere Marktteilnehmer nicht pauschal „böse“ seien; die Vema habe aber eine andere DNA, weil sie als Genossenschaft keinen Exit vorbereite und keine Gewinnmaximierung für Kapitalgeber betreiben müsse. Überschüsse würden in erheblichem Umfang an die Makler zurückgegeben. Die BCA passe aus seiner Sicht deshalb gut zur Vema, weil dort ebenfalls starke Versicherer als Aktionäre vertreten seien, darunter viele Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit. Strategisch wird die Beteiligung vor allem vor dem Hintergrund der Altersvorsorgereform brisant: Neder sieht im Investmentbereich keinen Randaspekt mehr, sondern einen Pflichtbaustein moderner Beratung. Viele Versicherungsmakler hätten Investment bislang über den Versicherungsmantel mitgedacht oder ganz ausgeklammert. Das werde künftig schwieriger. Wer Altersvorsorge berate, könne nicht zulassungsbedingt einen relevanten Teil der Produktwelt ausblenden, so Neder. Entsprechend dürften sich viele Makler ernsthaft mit einer Erlaubnis nach § 34f GewO beschäftigen müssen.

Altersvorsorgereform: Kapitalmarkt ja, Beratung erst recht

Die Altersvorsorgereform bewertet Neder im procontra-Interview grundsätzlich als Chance, aber nicht als Freifahrtschein für einfache Antworten. Sorgen, dass ein Altersvorsorgedepot klassische Versicherungsprodukte oder die betriebliche Altersversorgung kannibalisieren könnte, teilt er nicht. Entscheidend sei vielmehr, die verschiedenen Vorsorgebausteine sinnvoll zu kombinieren: bAV, private Altersvorsorge, Investmentlösungen und bestehende Verträge. Das bisherige Entweder-oder-Denken am Point of Sale hält Neder für zu kurz gesprungen – etwa wenn die bAV wegen späterer Besteuerung pauschal schlechtgeredet oder die dritte Schicht wegen Förderung ignoriert werde. Kritisch sieht er dagegen ein mögliches staatliches Standardprodukt. Wenn der Staat Rahmen setze, Regulierung schaffe und Wettbewerb organisiere, sei das seine Aufgabe; trete er selbst als Produktanbieter auf, werde es ordnungspolitisch schwierig. Zugleich verweist Neder auf berechtigten Kostendruck: Es habe in der Branche Produkte gegeben, bei denen nach 20 Jahren kaum mehr herauskam als eingezahlt wurde. Dennoch dürfe man nicht so tun, als löse der Kapitalmarkt jedes Vorsorgeproblem. Gerade normale Arbeitnehmer bräuchten Beratung, wenn Schwankungen nicht nur ärgerlich, sondern existenziell relevant werden könnten. Nedereinschätzung fällt deshalb klar aus: Für junge und strategisch denkende Makler seien es „goldene Zeiten“ – aber nur, wenn sie jetzt Partner, Zulassungen, Zielkunden und ihre künftige Rolle sauber definieren.

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