Swiss Re unter Druck: Insure Our Future wirft Rückversicherer Rückzug beim Klimaschutz vor

Swiss Re steht aktuell wegen ihrer Klimastrategie in der Kritik: Die Klimaschutzinitiative Insure Our Future wirft dem Schweizer Rückversicherer in ihrem Bericht „The good, the bad and the ugly“ vor, seine frühere Vorreiterrolle beim Umgang mit fossilen Energieprojekten zu verspielen und Klimarisiken weniger deutlich zu adressieren. Nach Darstellung der Umweltschutzorganisation fällt die Kehrtwende zeitlich mit dem Amtsantritt von Andreas Berger als CEO im Juli 2024 zusammen. Swiss Re war laut Insure Our Future 2018 der erste Rückversicherer, der Versicherungen für Kohleprojekte ausschloss, und schränkte 2022 als zweiter großer Anbieter Deckungen für neue Öl- und Gasförderprojekte ein. Nun aber, so die Kritik der Initiative, würden Klimaschutzverpflichtungen zurückgefahren. Als Indiz nennt Insure Our Future unter anderem den jährlichen Naturkatastrophenbericht des Rückversicherers: Während der Begriff Klimawandel im Jahr 2020 noch 105-mal aufgetaucht sei, werde er im aktuellen Bericht nur noch fünfmal erwähnt. Swiss Re widerspricht dem Vorwurf gegenüber dem Versicherungsmonitor und betont, am Ziel festzuhalten, bis 2050 in allen Geschäftsbereichen Netto-Null-Treibhausgasemissionen zu erreichen – im Einklang mit den gesetzlichen Anforderungen in der Schweiz.

LNG-Terminals und SBTi: der Streit um die Glaubwürdigkeit

Besonders scharf kritisiert Insure Our Future, dass Swiss Re Flüssigerdgas-Terminals weiterhin ohne Einschränkungen versichere. Im Fokus stehen damit nicht nur abstrakte Klimaziele, sondern konkrete Zeichnungspolitik: Wer fossile Infrastruktur deckt, ermöglicht sie zumindest mit – so die Lesart der Umweltschützer. Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der für Stirnrunzeln sorgt: Swiss Re hat im September 2025 angekündigt, die eigenen Klimaziele nicht mehr von der Science Based Targets initiative, kurz SBTi, prüfen zu lassen. Der Rückversicherer bestätigte dem Versicherungsmonitor zwar, dass die Klimaziele nicht mehr von der SBTi validiert werden; einen Grund nannte das Unternehmen auf Nachfrage jedoch nicht. Zugleich erklärte Swiss Re, weiterhin Zwischenziele im Klimabereich festzulegen und extern überprüfen zu lassen. Das LNG-bezogene Geschäft werde außerdem im Rahmen des eigenen ESG-Risikorahmens bewertet. Insure Our Future zweifelt dennoch auch an der Aussage von Swiss Re, wonach der Anteil der Öl- und Gasprämien von Unternehmen mit Netto-Null-Strategie im vergangenen Jahr auf 73 Prozent gestiegen sei, nach 53 Prozent im Jahr 2024. Die Organisation verweist darauf, dass große Ölkonzerne wie Shell und BP ihre Klimaziele zuletzt abgeschwächt hätten – und sieht darin einen Bruch zwischen Anspruch und Realität.

Munich Re, Hannover Re und Scor: kleine Fortschritte, große Unterschiede

Während Swiss Re aus Sicht von Insure Our Future an klimapolitischer Schärfe verliert, attestiert die Initiative anderen großen Rückversicherern zumindest vorsichtige Fortschritte. Munich Re wird dafür gelobt, seit Anfang 2026 keine Deckung mehr für neue LNG-Terminals zu geben, wenn diese der Erschließung neuer Gasfelder dienen; Hannover Re folgt laut Insure Our Future diesem Beispiel. Scor wiederum habe nach Einschätzung der Umweltschützer die strengsten Regeln für Investitionen in Öl- und Gaskonzerne unter den Erst- und Rückversicherern. Zwar schränke der französische Rückversicherer die Versicherung von LNG-Terminals nicht grundsätzlich ein, bewerte solche Projekte aber nach ESG-Kriterien – negativ etwa dann, wenn neue Gasfelder erschlossen werden oder Projekte im Korallendreieck in Südostasien liegen. Besonders schlecht kommt dagegen Berkshire Hathaway weg. Zur Holding gehören unter anderem mehrere Erst- und Rückversicherer, darunter Gen Re, drei US-Energieversorger mit stark fossiler Stromerzeugung sowie die BNSF Railway, einer der größten Kohletransporteure der USA. Laut Insure Our Future zeichnen die Versicherer der Holding Deckungen für Kohle, Öl, Gas und LNG weiterhin ohne Einschränkungen. Die Botschaft des Berichts ist damit klar: Klimapolitik in der Rückversicherung bleibt kein grünes Randthema, sondern wird zunehmend zum Reputations- und Zeichnungsrisiko.

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