Aon-Geschäftsführerin Monika Behrens: Warum Makler vor einer neuen Komplexitätswelle stehen

Die Anforderungen an Versicherungsmakler steigen spürbar: Monika Behrens, seit April 2024 Geschäftsführerin bei Aon Deutschland, sieht vor allem geopolitische Risiken, Cybergefahren, Lieferkettenprobleme und künstliche Intelligenz als Treiber eines Marktes, der immer mehr Spezialwissen, internationale Betreuung und digitale Lösungen verlangt. Im Interview beschreibt Behrens ihren eigenen Weg in die Branche, der keineswegs vorgezeichnet war. Zwar war ihr Vater Versicherungsmakler, doch ursprünglich wollte sie vor allem international arbeiten und Verantwortung übernehmen. Nach dem Studium des Versicherungswesens an der damaligen Fachhochschule Köln, heute TH Köln, führte sie der Weg in das Maklergeschäft – und dort blieb sie, weil es aus ihrer Sicht täglich nah an den Herausforderungen der Wirtschaft arbeitet. Viele Jahre verbrachte Behrens beim Aon-Konkurrenten WTW, wo sie internationale Kunden begleitete und unterschiedliche Funktionen übernahm. Der spätere Wechsel zu Aon war für sie ein Schritt hin zu mehr unternehmerischer Gestaltung und Verantwortung.

Maklermarkt zwischen Konsolidierung und Kulturarbeit

Die anhaltende Konsolidierung im Maklergeschäft erklärt Behrens mit der wachsenden Komplexität der Kundenanforderungen. Internationale Programme, digitale Prozesse, spezialisiertes Know-how und Investitionen in Technologie seien für viele Marktteilnehmer allein kaum noch zu stemmen. Doch Zukäufe sind nur die glänzende Oberfläche: Die eigentliche Arbeit beginnt danach. Unterschiedliche Unternehmenskulturen, Prozesse und IT-Systeme zusammenzuführen, sei deutlich anspruchsvoller als der Abschluss einer Transaktion. Auch in der Industrieversicherung sieht Behrens Bewegung. Nach schwierigen Jahren verfügten Versicherer in vielen Bereichen wieder über ausreichend Kapazität, was den Wettbewerb belebe. Für Unternehmen könne das ein Anlass sein, bestehende Versicherungsprogramme neu zu prüfen – etwa höhere Selbstbehalte oder reduzierte Deckungen, die in der harten Marktphase akzeptiert wurden. Was gestern notwendig war, kann heute wieder verhandelbar sein.

KI, Führung und Frauenförderung: Beratung bleibt Menschensache

Beim Thema künstliche Intelligenz setzt Behrens auf eine nüchterne Erwartungshaltung: KI werde das Maklergeschäft verändern, große Datenmengen analysieren, administrative Prozesse erleichtern und im Risikomanagement helfen, Entwicklungen früher zu erkennen. Aber sie ersetzt nicht die Verantwortung des Menschen. Die Bewertung komplexer Risiken und die Beratung der Kunden bleiben nach Behrens’ Einschätzung Aufgabe erfahrener Fachleute. Ähnlich klar äußert sie sich zur Führung und Frauenförderung in der Versicherungsbranche. Es gebe heute deutlich mehr Frauen in Führungspositionen als früher, doch die Branche sei noch nicht am Ziel. Frauen unterschätzten sich häufig selbst, während Männer oft selbstverständlicher aufträten. Netzwerke wie „Frauen in der Industrieversicherung“, kurz Fidi, seien deshalb weiterhin wichtig: für Austausch, Sichtbarkeit, Mentoring und gegenseitige Unterstützung. Vielfalt sei kein Selbstzweck, sondern ein Wettbewerbsfaktor. Für die Maklerbranche der kommenden Jahre zieht Behrens eine klare Linie: Erfolgreich werden diejenigen sein, die technologische Kompetenz mit fundierter Beratung verbinden.

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