PKV-Wechselanfragen steigen: Warum Makler Stefan Bierl vor dem Sparmodell warnt

Die steigenden Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung treiben derzeit spürbar mehr Gutverdiener, Selbstständige und Freiberufler in die Beratung zur privaten Krankenversicherung: Beim Versicherungsmakler Stefan Bierl, laut Finanzberatung Bierl einer der bekanntesten PKV-Experten Deutschlands, haben sich die Wechselanfragen in den vergangenen Wochen mehr als verdreifacht. Im April und Mai meldeten sich nach Angaben Bierls rund 80 Interessenten pro Monat, im Vorjahreszeitraum seien es durchschnittlich 25 gewesen. Der aktuelle Auslöser ist die Verunsicherung durch die GKV-Reform – doch Bierl bremst allzu einfache Rechenmodelle aus: Die PKV sei „keine Alternative zum Geldsparen“. Wer nur wegen einer monatlichen Entlastung von 150 Euro wechsle, denke zu kurz. Denn auch private Krankenversicherungen werden über Jahrzehnte teurer; im Ruhestand könnten Beiträge von 1.000 Euro und mehr pro Monat fällig werden, vor allem wenn bei Angestellten der Arbeitgeberanteil wegfällt. Die zentrale Frage lautet daher nicht: Wo ist es heute billiger? Sondern: Welche Leistungen will und kann sich der Versicherte langfristig leisten?

PKV-Beratung statt Vergleichsportal: Gesundheitsprüfung als Knackpunkt

Bierl warnt besonders vor schnellen Abschlüssen über Vergleichsportale oder nach Testtabellen. Die private Krankenversicherung sei eine der komplexesten Versicherungen überhaupt: Selbstbehalte, Erstattungssätze, Alterungsrückstellungen, Zahnersatz, Chefarztbehandlung, Einzelzimmer oder schnellere Facharzttermine – hinter jedem Tarif stecke ein dichtes Regelwerk. Was auf den ersten Blick nach sauberer Beitragsoptimierung aussieht, kann sich langfristig als teure Abkürzung entpuppen. Entscheidend seien Beruf, Familienplanung und vor allem die Gesundheitshistorie. Genau hier sieht Bierl die größte Falle: Wer Diagnosen vergisst oder Behandlungen verschweigt, riskiert massive Probleme. Bei grob fahrlässig falschen Angaben könne der Versicherer innerhalb von fünf Jahren vom Vertrag zurücktreten, bei Vorsatz sogar innerhalb von zehn Jahren. Laut Bierl melden sich täglich Betroffene, denen die PKV aus genau diesem Grund gekündigt wurde; häufig hätten sie zuvor direkt beim Versicherer oder über ein Portal abgeschlossen.

Anwartschaft, Alter, Vorerkrankungen: Der Faktor Zeit arbeitet gegen Wechselwillige

Für Menschen, die mit einem Wechsel in die PKV liebäugeln, empfiehlt Bierl deshalb eine frühe und gründliche Prüfung statt einer Entscheidung im Beitragsnebel. In seiner Beratung werde meist die vollständige Patientenakte bei der Krankenkasse angefordert, um die Gesundheitshistorie belastbar aufzubereiten – ein Prozess, der einige Wochen dauern könne, aber aus seiner Sicht der einzige Weg zu einer „wasserdichten“ PKV sei. Gerade junge Interessenten ohne nennenswerte Vorerkrankungen hätten bessere Chancen auf einen Abschluss ohne Risikozuschläge. Mit Mitte 30 sei dies laut Bierl oft noch realistisch, mit Ende 40 werde ein sinnvoller Wechsel dagegen häufig schwierig. Im Einzelfall könne auch eine Anwartschaft sinnvoll sein, um sich den aktuellen Gesundheitszustand für einen späteren Wechsel zu sichern. Der Markt bewegt sich also: Die GKV-Beiträge drücken, die PKV lockt mit Leistungen – doch zwischen kurzfristiger Ersparnis und langfristiger Tragfähigkeit liegt eine Lücke, die sich nicht mit einem Tarifrechner schließen lässt.

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