BaFin-Beschwerden 2025: Rechtsschutzversicherer unter Druck – Arag mit höchster Beschwerdequote

Die BaFin hat 2025 deutlich mehr Beschwerden über Rechtsschutzversicherer abschließend bearbeitet: 620 Eingaben zählte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht laut ihrer im Mai veröffentlichten unternehmensindividuellen Beschwerdestatistik – fast die Hälfte mehr als im Vorjahr. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die für die Branche nicht gerade nach Entspannung klingt: Nach dem Tiefstand von 361 Beanstandungen hat sich das Reklamationsvolumen binnen zwei Jahren nahezu verdoppelt, auch wenn der historische Höchstwert von über 900 Beschwerden aus dem Jahr 2008 weiterhin entfernt bleibt. Der aktuelle Aufhänger ist damit klar: In einer Sparte, die Kundinnen und Kunden im Konfliktfall eigentlich Sicherheit geben soll, zeigt die Beschwerdekurve wieder nach oben. Zugleich bleibt die Quote niedrig: Rund 1,4 Beschwerden je 100.000 versicherte Risiken meldet die BaFin, bezogen auf etwa 43 Millionen versicherte Risiken zum Jahresende 2024. Selbst zusammen mit den rund 4.000 Rechtsschutz-Reklamationen beim Versicherungsombudsmann e.V. blieben rechnerisch rund 99.989 von 100.000 Verträgen beschwerdefrei – ein Kontrast, der auffällt: mehr Ärger in absoluten Zahlen, aber weiterhin kaum Bewegung im Gesamtbestand.

Rechtsschutzversicherung: Arag, DEVK und Roland mit auffälligen Quoten

Unter den 30 in der BaFin-Statistik aufgeführten Rechtsschutzversicherern ragen vor allem Anbieter mit mehr als 100.000 Verträgen heraus: Sieben Gesellschaften kamen auf mehr als zwei Beanstandungen je 100.000 versicherte Risiken. Die höchste Beschwerdequote verzeichnete laut BaFin die Arag SE mit über acht Beschwerden je 100.000 Risiken; gezählt wurden 165 Eingaben bei einem Bestand von rund zwei Millionen Verträgen. Dahinter folgt die DEVK Rechtsschutz-Versicherungs-AG mit einer Vier vor dem Komma, konkret 52 Beschwerden bei 1,22 Millionen Risiken. Werte um drei errechneten sich für die Roland Rechtsschutz-Versicherungs-AG mit 61 Eingaben bei 1,77 Millionen Risiken sowie für die Itzehoer Versicherung/Brandgilde von 1691 VVaG mit zwölf Beschwerden bei 379.000 Risiken. Ebenfalls über dem Marktschnitt lagen unter anderem die Deurag Deutsche Rechtsschutz-Versicherung AG, die Ergo Versicherung AG, die Neue Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG und die Continentale Sachversicherung AG. Bei den großen Marktteilnehmern mit mehr als einer Million versicherten Risiken schnitten nur zwei besser ab als der Branchendurchschnitt: Besonders niedrig lag die ADAC Versicherung AG mit nicht einmal 0,3 Beschwerden je 100.000 Risiken, während die Huk-Coburg-Rechtsschutzversicherung AG ebenfalls unter dem Durchschnitt blieb.

Beschwerdestatistik der BaFin: wichtige Kennzahl, aber kein Qualitätsurteil

Die Veränderungen fallen teils kräftig aus: Bei der Arag lag die Beschwerdequote bereits in den beiden Vorjahren branchenweit oben, 2025 verdoppelte sich die Zahl der Eingaben laut BaFin fast. Bei der DEVK stieg das Reklamationsvolumen sogar von 22 auf 52 Fälle. Rückgänge meldet die Statistik dagegen etwa bei der Deurag, während bei Ergo und Roland weniger Beanstandungen zu bearbeiten waren; bei der Allianz Versicherungs-AG erhöhte sich das Beschwerdevolumen nahezu von 20 auf 38. Dennoch mahnt die BaFin selbst zur Einordnung: Die seit rund einem Vierteljahrhundert veröffentlichte Beschwerdestatistik sei eine Momentaufnahme und liefere keinen Beleg dafür, ob Beschwerden begründet waren. Zudem werden die im Jahresverlauf abschließend bearbeiteten Eingaben ins Verhältnis zum Bestand des Vorjahres gesetzt – wachstumsstarke Versicherer können dadurch statistisch schlechter aussehen, weil neue Verträge im Nenner noch nicht vollständig abgebildet sind. Die Botschaft zwischen den Zeilen: Die Quote ist ein Signal, kein Urteil; ein Warnlicht, aber kein Schuldspruch. Genau deshalb bleibt der Blick auf die Zahlen wichtig – nicht als Pranger für einzelne Versicherer, sondern als Gradmesser dafür, wo Kundenfrust in der Rechtsschutzversicherung sichtbar wird.

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