Altersvorsorgereform 2027: Deutsche zeigen Skepsis gegenüber Staatsfonds – Beratung bleibt gefragt

Die geplante Altersvorsorgereform der Bundesregierung sorgt weiter für Diskussionen – nicht nur in der Branche, sondern offenbar auch bei Verbrauchern selbst. Das zeigen aktuelle Daten des Marktforschungsinstituts Yougov, das im Auftrag von Pfefferminzia zwischen dem 13. und 18. Mai insgesamt 2.164 Erwachsene in Deutschland bevölkerungsrepräsentativ befragt hat. Besonders im Fokus: das geplante staatliche Standarddepot sowie die Frage, ob geförderte Altersvorsorge künftig auch ohne Beratung funktionieren soll. Das Bild wirkt dabei widersprüchlich – zwischen Offenheit für neue Vorsorgemodelle und tief sitzendem Misstrauen gegenüber staatlicher Einflussnahme.

Riester bleibt Ladenhüter – viele Deutsche halten Abstand

Zunächst bestätigt die Umfrage einen Trend, der sich seit Jahren durch Statistiken und Vertriebsgespräche zieht: Die Riester-Rente bleibt ein Produkt mit Schlagseite. Laut Yougov besitzen 49 Prozent der Befragten ausdrücklich keinen Riester-Vertrag, weitere 7 Prozent machten keine Angabe oder wissen es nicht. Aktiv besparen aktuell lediglich 14 Prozent einen Vertrag, weitere 5 Prozent haben ihren Vertrag stillgelegt. Der Rest befindet sich bereits im Ruhestand. Gerade deshalb konzentrierte sich die Auswertung der weiteren Fragen auf Erwerbstätige und potenzielle Vorsorgesparer. Besonders brisant fiel die Reaktion auf das geplante staatliche Standarddepot aus – jenes Reformelement, das in der Finanz- und Versicherungsbranche zuletzt für erhebliche Reibung sorgte. Der Staat als Anbieter und Regulierer zugleich: Für Kritiker ein Rollenkonflikt, für Befürworter ein möglicher Türöffner zu mehr kapitalgedeckter Vorsorge. Die Befragten zeigen sich dabei keineswegs euphorisch. Zwar können sich 31 Prozent ein solches Depot vorstellen – allerdings nur unter der Bedingung einer „verantwortungsvollen und professionellen Verwaltung“. Weitere 29 Prozent knüpfen ihre Zustimmung an niedrige und transparente Kosten. 17 Prozent verlangen eine gesetzlich garantierte Zugriffssperre. Lediglich 7 Prozent würden ohne Einschränkungen einzahlen. Gleichzeitig lehnen 30 Prozent das Modell grundsätzlich ab. Das wirkt wie ein Fingerzeig: Interesse ist vorhanden, Vertrauen jedoch nur auf Bewährung.

Zwischen Renditewunsch und Sicherheitsdenken

Auffällig sind auch die zusätzlichen Forderungen einzelner Teilnehmer. Manche wünschen „absolute Transparenz“, andere eine staatliche Verlustgarantie oder gar den Ausschluss von Aktieninvestments – ein bemerkenswerter Kontrast zur eigentlichen Idee langfristiger Kapitalmarktanlage. Einige Antworten lesen sich beinahe wie eine Antithese zur Reform selbst: hohe Renditen ja, aber ohne Risiko; staatliche Sicherheit, aber ohne staatliche Einmischung. Genau darin spiegelt sich die aktuelle Gemengelage der deutschen Altersvorsorge wider. Auch beim Thema Beratung sendet die Umfrage ein klares Signal an Vermittler, Makler und Vertriebe. Laut den von Pfefferminzia veröffentlichten Ergebnissen würden 48 Prozent der Befragten eine geförderte Altersvorsorge eher mit Beratung abschließen. Nur 20 Prozent bevorzugen einen Abschluss ohne Beratung, ebenfalls 20 Prozent lehnen das Produkt grundsätzlich ab. Damit liefert die Studie indirekt Argumente für jene Verbände und Marktteilnehmer, die vor einem vollständigen Provisionsabbau oder rein digitalen Abschlussstrecken warnen. Gerade in einem Markt, der für viele Verbraucher so durchsichtig wirkt wie Milchglas, scheint persönliche Beratung weiterhin eine zentrale Rolle zu spielen – trotz Digitalisierung, Vergleichsportalen und staatlicher Standardmodelle

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