KI in der Versicherungsbranche: Mehr Jobverluste als neue Stellen – Maklerrolle vor Umbruch

Die Debatte um Künstliche Intelligenz in der Versicherungsbranche gewinnt an Schärfe: Laut Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky (2b AHEAD) werden in den kommenden zehn Jahren per saldo mehr Jobs wegfallen als neu entstehen. Betroffen sind vor allem klassische Sachbearbeitungsfunktionen – also Tätigkeiten rund um Selektion, Bewertung und Dokumentation von Informationen. „Teams von heute zehn Personen werden dann vielleicht noch aus zwei Menschen bestehen, die KI-Agenten steuern“, sagt Jánszky im Gespräch mit procontra. Gleichzeitig entsteht kurzfristig ein gegenläufiger Effekt: Neue Stellen in IT, Datenanalyse und KI-Implementierung bauen sich auf. Die Antithese prägt den Markt: Abbau im operativen Kern – Aufbau an den digitalen Rändern. Für Beschäftigte bedeutet das laut Jánszky vor allem eines: Anpassung. „Wenn sich die Welt verändert, muss man sich selbst mitverändern.“ Ein Informatikstudium sei dafür nicht erforderlich – viele Anwendungen seien niedrigschwellig erlernbar.

Makler im Wandel: Kunde entscheidet, nicht das Produkt

Parallel verändert KI nicht nur Prozesse, sondern auch Geschäftsmodelle. Jánszky unterscheidet neun Kundensegmente – von vollständig digitalen Kunden, bei denen „KI mit KI kommuniziert“, bis hin zu Gruppen, die bewusst menschliche Beratung suchen. Für Makler ergibt sich daraus ein fragmentiertes Bild: In vier Segmenten verlieren sie nahezu vollständig an Relevanz, in zwei bleiben sie zentral, und in drei hybriden Bereichen entscheidet ihre Fähigkeit zur Integration von KI über den künftigen Erfolg. Entscheidend sei dabei nicht die Komplexität des Produkts, sondern „wie der Kunde tickt“, so Jánszky. Die bisher oft propagierte Strategie, sich auf beratungsintensive Produkte zu fokussieren, greife daher zu kurz. Vielmehr rücke die Rolle des Maklers als Vertrauensanker in den Vordergrund: Kunden suchten weiterhin persönliche Verantwortungsträger oder Identifikationsfiguren – weniger Produktverkäufer, mehr Beziehungspartner.

Von Regulierung zu Prävention: Geschäftsmodelle vor strukturellem Wandel

Über den Arbeitsmarkt hinaus zeichnet sich ein grundlegender Wandel der Branche ab: Weg von der reinen Schadenregulierung, hin zur präventiven Risikosteuerung. Technologien wie KI-Agenten, vernetzte Systeme oder perspektivisch auch humanoide Roboter könnten Schäden frühzeitig erkennen oder vermeiden. „Versicherer müssten sich darauf jetzt vorbereiten“, sagt Jánszky. Die Entwicklung wirkt wie ein Paradigmenwechsel: Schäden nicht mehr nur managen, sondern verhindern. Gleichzeitig wird das Backend der Versicherer – Datenverarbeitung und Abwicklung – weitgehend automatisiert, während sich das Frontend entlang der Kundensegmente ausdifferenziert: vom volldigitalen Modell bis zur hybriden Beratung. Die Branche steht damit vor einem Realitätstest. Oder zugespitzt formuliert: Nicht die Technologie entscheidet über Gewinner und Verlierer – sondern die Geschwindigkeit, mit der sie genutzt wird.

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