Künstliche Intelligenz setzt Versicherer unter Druck: Tarifverhandlungen gestartet

Die KI-Debatte spitzt sich zu: Nach den angekündigten 1.000 Stellenstreichungen bei Ergo und ähnlichen Plänen bei Allianz Partners sowie Chubb haben Verdi und der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) Verhandlungen über einen KI-Tarifvertrag aufgenommen. Ziel ist laut Verdi-Verhandlungsführerin Deniz Kuyubasi gegenüber procontra, „Leitplanken für die gesamte Branche“ zu setzen – insbesondere bei Beschäftigungssicherung, Standorten und Qualifizierung. Als Referenz nennt Verdi den bei Ergo vereinbarten Rahmen: Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, Standortschutz und eine Reskilling-Academy. Der Tenor: Transformation ja – aber sozial flankiert. KI bleibt damit zugleich Hoffnungsträger und Risikofaktor.

AGV kontert: Bestehende Tarifstrukturen ausreichend – KI als Chance statt Risiko

Der AGV sieht weniger Handlungsdruck. Vize-Hauptgeschäftsführer Sebastian Hopfner betont gegenüber procontra, die bestehenden Regelungen etwa zum Rationalisierungsschutz seien „grundsätzlich ausreichend“. Ein neuer Tarifvertrag sei aus seiner Sicht unwahrscheinlich. Statt Jobverlusten stellt der Verband Chancen in den Vordergrund: Bereits die Digitalisierung habe zu rund 15.000 zusätzlichen Stellen geführt. Die Gegensätze bleiben deutlich: Vorsorge gegen Risiken auf der einen Seite, Vertrauen in Marktmechanismen auf der anderen. Weitere Gespräche sind bis Oktober geplant.

Außendienst-Tarifrunde stockt: Laufzeit bleibt Streitpunkt

Auch die Tarifverhandlungen für den Außendienst verlaufen bislang ohne Ergebnis. Nach der ersten Runde im März in Wuppertal wurde auf den 30. April vertagt. Strittig bleibt vor allem die Laufzeit. Das AGV-Angebot: 36 Monate Laufzeit und gestaffelte Gehaltserhöhungen ab 2026 bis 2028 – je nach Tätigkeit zwischen rund 4,5 Prozent und gut 2 Prozent. Ein klassischer Zielkonflikt: Planungssicherheit versus Anpassungsfähigkeit in einem Markt im Wandel.

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