KI und Tarifrunde 2026: Versicherer und Verdi ringen um Jobs und Qualifizierung

Seit diesem Donnerstag verhandeln deutsche Versicherer mit Verdi über einen Tarifvertrag – im Fokus: der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die Folgen für Beschäftigung und Standorte. Ausgangspunkt ist unter anderem eine Vereinbarung bei der Munich-Re-Tochter Ergo, wo trotz angekündigtem Stellenabbau betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 ausgeschlossen wurden. Verdi-Verhandlungsführerin Deniz Kuyubasi erklärte gegenüber Bloomberg, Ziel sei Beschäftigungssicherung und Qualifizierung: Niemand solle durch KI gegen seinen Willen den Job verlieren. Ob sich dieses Modell branchenweit durchsetzt, bleibt jedoch offen.

Zwischen Effizienzgewinnen und Beschäftigungsrisiken

Die Branche steht unter Druck: KI soll Prozesse beschleunigen, Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit stärken – gleichzeitig geraten klassische Jobs unter Druck. Beispiele liefert die Finanzbranche: Die ING Groep verwies auf rund 1.000 gefährdete Stellen durch Digitalisierung und KI. Auch bei Allianz-Töchtern wurde über möglichen Personalabbau spekuliert. Der Arbeitgeberverband der Versicherer sieht hingegen „keine Hinweise“ auf außergewöhnliche Beschäftigungseffekte und betont die Notwendigkeit, den Wandel aktiv zu begleiten.

Sorgen, Chancen und offene Fragen: Wie viel Transformation verträgt der Arbeitsmarkt?

Verdi sieht KI differenziert: Während Beschäftigte in der Telefonie laut Kuyubasi besonders besorgt sind, erkennen Teile der Sachbearbeitung auch Effizienzchancen – etwa schnellere Schadenregulierung. Gleichzeitig warnt die Gewerkschaft vor möglichen Überwachungsrisiken durch KI. Ein Transformations-Tarifvertrag ist möglich, aber keineswegs sicher. Fest steht: Die Branche bewegt sich zwischen Rationalisierung und Verantwortung – ein Spannungsfeld, das bislang keine einfachen Antworten liefert.

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