Indexpolicen im Rendite-Check: Warum Marktumfeld und Modell über den Erfolg entscheiden
Der Markt für Indexpolicen zeigt sich weiterhin heterogen – eine eindeutige Rangliste der besten Produkte bleibt laut Branchenanalyst Michael Staffe im Gespräch mit procontra schwer greifbar. Der Grund: Die Performance hängt maßgeblich von Überschussbeteiligung und Indexmodell ab. Während klassische Cap-Modelle in früheren Jahren mit höheren Überschüssen punkteten, gerieten sie laut Staffe in der Niedrigzinsphase zunehmend unter Druck. Heute dominieren häufiger Modelle mit Beteiligungsquoten auf Aktienindizes. Zahlen liefern eine erste Einordnung: Top-Performer erreichten laut Staffe über fünf Jahre hinweg durchschnittlich mehr als 5 Prozent Rendite p. a., während der Gesamtmarkt bei rund 2,3 Prozent lag. Beachtlich für ein Produkt im konservativen Segment – aber kein Selbstläufer.
Marktmechanik statt Anbietertricks: Warum das Umfeld entscheidend ist
Die Unterschiede zwischen den Policen sind laut Staffe weniger das Ergebnis einzelner Anbieterstrategien als vielmehr Ausdruck der Marktmechanik. Zwei Stellschrauben stehen im Fokus: das gewählte Indexdesign und die Höhe der Überschüsse. In ruhigen Marktphasen können Cap-Modelle Vorteile haben, in volatilen Zeiten hingegen häufig Quotenmodelle. Die vergangenen Jahre, geprägt von Schwankungen, spielten entsprechend letzteren in die Karten. Gleichzeitig setzen viele Versicherer auf Multi-Asset-Indizes – stabiler, aber oft mit geringerer Performance im Vergleich zu reinen Aktienindizes wie dem DAX. Staffe bringt es im Gespräch mit procontra auf den Punkt: Eine hohe Beteiligungsquote auf einen schwächeren Index kann weniger bringen als eine niedrigere Quote auf einen starken Index. Die oft diskutierte Frage nach der Rolle von Optionspreisen relativiert er: Diese seien primär marktgetrieben, insbesondere durch die Volatilität, und nicht direkt vom Versicherer steuerbar.
Rendite versus Sicherheit: Struktur begrenzt – aber schützt zugleich
Ein zentraler Punkt bleibt die systemimmanente Begrenzung der Rendite. Indexpolicen investieren nicht direkt in den Index, sondern nutzen Überschüsse für eine begrenzte Partizipation – ein Mechanismus, der Sicherheit bietet, aber Renditechancen deckelt. Dennoch widerspricht Staffe im Gespräch mit procontra der pauschalen Annahme, dass Indexpolicen stets schlechter abschneiden als der Index: In bestimmten Konstellationen seien vergleichbare oder sogar höhere Renditen möglich, etwa bei hohen Beteiligungsquoten oder stabilen Marktphasen. Gleichzeitig gilt: Die Garantiekomponente – etwa der Kapitalerhalt – hat ihren Preis. Auch die Diskussion um hauseigene Indizes bewertet Staffe differenziert: Diese seien nicht grundsätzlich problematisch, hätten jedoch in der Vergangenheit häufig hinter etablierten Benchmarks zurückgelegen. Sein Fazit bleibt nüchtern: Entscheidend ist die Beratung. Wer die Funktionsweise versteht, entwickelt realistische Erwartungen – wer nicht, läuft Gefahr, Sicherheit mit Rendite zu verwechseln.
