Scheidung und Versicherungen: Warum fehlende Beratung teure Versorgungslücken reißt
Deutschland, aktuell: Scheidungen bleiben ein Massenphänomen – und offenbaren gravierende Lücken in der finanziellen Vorsorge. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2024 rund 349.200 Ehen geschlossen, gleichzeitig kam es zu 129.300 Scheidungen. Die Folge: Für beide Ex-Partner verschiebt sich die Versorgungssituation teils drastisch. Was formal als gerechter Ausgleich gedacht ist, wirkt in der Praxis oft wie ein Umbruch mit Nebenwirkungen. Denn mit der Scheidung greift automatisch der Versorgungsausgleich: „In der Ehezeit erworbene Ansprüche […] müssen zu gleichen Teilen auf beide aufgeteilt werden“, erklären die Experten von Hengstenberg & Partner. Betroffen sind dabei nahezu alle Vorsorgeformen – von der gesetzlichen Rente über betriebliche Altersvorsorge bis hin zu privaten Rentenversicherungen. Die Konsequenz kann erheblich sein: „Dadurch können […] Versorgungslücken entstehen – oft mehrere hundert Euro monatlich im Alter“, so Matthias Kuch von Kuch & Partner gegenüber procontra.
Beratungsdefizit: Makler spielen kaum eine Rolle – trotz Expertise
Die eigentliche Bruchstelle liegt jedoch früher: bei der Beratung. Eine repräsentative Umfrage des Instituts Civey im Auftrag von Canada Life zeigt, dass sich rund 52 Prozent der Geschiedenen rückblickend nicht ausreichend über finanzielle Folgen informiert fühlten. Gleichzeitig greifen Betroffene primär auf Anwälte oder Steuerberater zurück – verständlich angesichts juristischer Streitfragen, aber mit Blick auf ganzheitliche Finanzplanung nur die halbe Lösung. Versicherungsmakler, die genau diese Perspektive liefern könnten, werden kaum einbezogen: Nur 2 Prozent der Befragten nannten sie als Ansprechpartner. Igor Radovic, Vorstand bei Canada Life, sieht darin eine klare Marktlücke: „Hier gibt es eine klare Informationslücke, die Makler nutzen können, um einen echten Mehrwert für ihre Kunden zu erzeugen.“ Die Realität zeigt damit eine deutliche Antithese: hohe Komplexität auf Kundenseite – geringe Nutzung spezialisierter Beratung.
Versicherungsschutz nach Trennung: Anpassung oft zu spät
Besonders kritisch: Viele Anpassungen erfolgen erst nach der Scheidung – ein Zeitpunkt, an dem zentrale Weichen bereits gestellt sind. Dabei betrifft die Trennung weit mehr als die Altersvorsorge: Auch Policen wie Privathaftpflicht, Rechtsschutz, Hausrat, Kfz oder Bezugsrechte in Lebensversicherungen müssen überprüft und neu strukturiert werden. In der Praxis geschieht das häufig reaktiv statt präventiv. Oder anders formuliert: Der Schaden wird erkannt, wenn er kaum noch korrigierbar ist. Genau hier setzen Experten an und fordern mehr proaktive Beratung – sensibel, aber konsequent. Denn wer erst nach dem rechtskräftigen Scheidungsbeschluss handelt, kann entstandene Versorgungslücken oft nur noch begrenzt schließen.
