Aktienrendite im Realitätscheck: Warum Berater auf das Renditedreieck des DAI setzen
In der Anlageberatung gewinnt das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts (DAI) erneut an Bedeutung – insbesondere, um Kunden ein realitätsnahes Bild von Kapitalmarktentwicklungen zu vermitteln. Das berichtet Finanzberater Mike Lehmann im Gespräch mit procontra. Sein Ansatz: keine Theorie, sondern sichtbare Historie. „Ich zeige meinen Kunden, wie sich die Märkte tatsächlich entwickelt haben“, so Lehmann gegenüber procontra. Die Methode wirkt wie ein Gegenentwurf zu Hochglanzprognosen: Krisen werden nicht ausgeblendet, sondern bewusst integriert – als wiederkehrendes Element der Kapitalmärkte. Die zentrale Botschaft bleibt dabei konstant: Langfristigkeit und Diversifikation sind entscheidend. Während Garantieprodukte wie Riester strukturelle Sicherheit bieten, „haben diese Garantien eben auch ihren Preis“, betont Lehmann bei procontra – ein Hinweis, der in Zeiten niedriger Zinsen nicht für Jubelsprünge sorgt.
Renditeerwartung und Aktienkultur: Zwischen Euphorie und Unsicherheit
Ein zentrales Problem in der Beratung: die oft verzerrte Renditeerwartung vieler Anleger. Lehmann beobachtet laut procontra zwei Extreme – überzogene Euphorie nach starken Marktphasen und völlige Orientierungslosigkeit bei unerfahrenen Investoren. Seine Einordnung ist klar und datenbasiert: Eine durchschnittliche Rendite von rund sieben Prozent jährlich sei historisch belegbar. Diese Zahl wirkt wie ein Anker im oft schwankenden Erwartungskorridor. Gleichzeitig zeigt sich: Die vermeintliche Aktienaversion der Deutschen relativiert sich in der Praxis. Lehmann widerspricht diesem Narrativ gegenüber procontra ausdrücklich und verweist auf eine wachsende Offenheit, sobald Zusammenhänge verständlich erklärt werden. Sein Beispiel ist bewusst alltagsnah – Strom, Kaffee, Konsum: Überall entstehen Unternehmensgewinne, an denen Aktionäre partizipieren. Theorie trifft Alltag – und verliert dabei ihre Abstraktheit.
Risikodiskussion: Diversifikation als Fundament statt Nebenaspekt
Auch die Kritik am Renditedreieck – etwa eine unzureichende Darstellung von Totalverlustrisiken – greift Lehmann im Gespräch mit procontra auf, relativiert sie jedoch im Kontext seiner Beratungspraxis. Der entscheidende Unterschied liege im Anlagevehikel: Während Einzelaktien durchaus ausfallen können, seien breit gestreute Fonds strukturell anders aufgebaut. „Ein Totalverlust ist weder in der Praxis eingetreten noch realistischerweise denkbar“, erklärt Lehmann gegenüber procontra. ETFs oder aktiv gemanagte Fonds bündeln zahlreiche Einzeltitel und verteilen Risiken systematisch – ein Prinzip, das im Renditedreieck indirekt sichtbar wird, da es Indizes und keine Einzelwerte abbildet. Die eigentliche Lehre daraus formuliert Lehmann klar: Diversifikation ist kein optionales Element, sondern die Grundvoraussetzung für eine belastbare Kapitalanlage. Theorie und Praxis fallen hier zusammen – zumindest dann, wenn Anleger bereit sind, den langfristigen Blick einzunehmen.
