R+V prüft Verkauf von Condor Leben an Acathia Capital – Run-off-Plattform für über 200.000 Policen geplant

Die R+V Versicherung will ihren Maklerversicherer Condor Leben an die Frankfurter Investmentgesellschaft Acathia Capital verkaufen. Anfang März unterzeichneten beide Parteien eine entsprechende Absichtserklärung, wie die R+V auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE bestätigte, nachdem zuvor das Handelsblatt berichtet hatte. Gegenstand möglicher exklusiver Verhandlungen sind rund 219.000 Versicherungsverträge – darunter fondsgebundene und klassische Rentenversicherungen, Tarife mit „Neuen Garantien“, Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) sowie Verträge der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Ein Abschluss der Gespräche wird für das zweite oder dritte Quartal 2026 angestrebt; zum möglichen Kaufpreis machten die Beteiligten bislang keine Angaben.

Strategiewechsel im Maklermarkt

Die R+V begründet den geplanten Verkauf mit strategischen Überlegungen. Er sei „betriebswirtschaftlich sinnvoll, um die R+V Gruppe zukunftsfähig auszurichten“, erklärte der Versicherer gegenüber FONDS professionell ONLINE. Weitere Verkäufe über Condor hinaus seien derzeit nicht geplant. Tatsächlich hat sich die Geschäftsausrichtung bereits verschoben: Condor zeichnet seit Anfang 2026 kein Neugeschäft mehr als Risikoträger und bietet Maklern keine privaten Lebenspolicen mehr an. Stattdessen konzentriert sich die R+V im Maklermarkt seit Januar 2026 auf drei Sparten – Biometrie (BU), betriebliche Altersversorgung und Gesundheit. „Wir bieten im Neugeschäft im Maklermarkt Personen ausschließlich Tarife aus diesen drei Geschäftsfeldern an“, teilte der Versicherer mit.

Run-off als Geschäftsmodell

Die Bestände der Condor Leben sollen laut dem Branchendienst Versicherungsmonitor die Basis für eine neue Run-off-Plattform bilden. Acathia Capital selbst ist kein Versicherer und verwaltet Policen nicht eigenständig, sondern strukturiert Investments für institutionelle Anleger. Nach Informationen des Versicherungsmonitors agiert das Unternehmen dabei für ein Konsortium aus deutschen Versicherern, globalen Rückversicherern und Versorgungswerken. Geleitet wird Acathia vom ehemaligen DBV-Winterthur-Vorstand Thomas Schmitt, der im Run-off-Segment Erfahrung hat: Bereits 2017 begleitete die Gesellschaft den Verkauf von Lebensversicherungsbeständen der Baloise Gruppe an die Frankfurter Leben. Damit zeigt sich erneut ein Markttrend: Während Versicherer Altbestände abgeben, entdecken spezialisierte Investoren darin zunehmend ein kalkulierbares Geschäftsmodell.

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