Altersvorsorge-Reform 2026: Studie sieht wachsenden Wettbewerbsdruck für Lebensversicherer

Die Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge nimmt in Deutschland Fahrt auf: Mit dem geplanten Altersvorsorgereformgesetz will die Bundesregierung das bisherige Riester-Zulagensystem ersetzen. Darüber berichtete das VersicherungsJournal bereits am 26. Februar 2026 unter Verweis auf den Gesetzentwurf. Kern des Vorhabens ist ein neues, staatlich förderfähiges Standarddepot – ein einfacher Sparplan mit reduzierten Wahlmöglichkeiten für Anleger. Anders als bei vielen bisherigen Vorsorgeprodukten soll dabei kein Garantiezwang gelten. Die Idee dahinter: höhere Renditechancen durch stärkere Kapitalmarktorientierung. Doch zwischen politischer Zielsetzung und Wahrnehmung bei Verbrauchern klafft derzeit eine Lücke.

Verbraucher setzen weiter auf Garantien

Wie wenig präsent die Reform bislang ist, zeigt die Trendstudie „Digitale Altersvorsorge 2026“ der Valytics GmbH und der Nordlight Research GmbH. Laut der im Februar durchgeführten Online-Befragung von rund 2.000 Finanzentscheidern zwischen 18 und 60 Jahren haben sich nur sechs Prozent aktiv über die geplanten Änderungen informiert. Bei der Bewertung verschiedener Vorsorgemodelle schneiden klassische Garantieprodukte deutlich besser ab: 13 Prozent bewerten entsprechende Policen mit „ausgezeichnet“, nur sieben Prozent mit „schlecht“. Der Durchschnittswert liegt bei 2,7. Das geplante Standarddepot mit Fondsaufteilung kommt dagegen lediglich auf einen Mittelwert von 3,1 – ein Hinweis darauf, dass Renditechancen zwar diskutiert werden, Sicherheit aber weiterhin Gewicht hat.

Wettbewerb um die Kundenschnittstelle verschärft sich

Für die Versicherungsbranche könnten die Ergebnisse dennoch Folgen haben. Laut den Studienautoren ziehen jeweils rund 40 Prozent der Riester-Sparer einen Wechsel in das neue Fördersystem ernsthaft in Betracht oder sind noch unentschlossen. Gleichzeitig sehen viele Verbraucher andere Anbieter vorn: 63 Prozent würden ein neues Standarddepot bei Banken oder Sparkassen abschließen, Investmentfondsgesellschaften erreichen 37 Prozent Zustimmung, Lebensversicherer nur 30 Prozent. „Diese Antwort hat uns überrascht“, sagt Dr. Patrick Dahmen, Gründer und Managing Partner der Valytics GmbH. Obwohl Banken selbst kaum Garantieprodukte anbieten, würden viele Kunden ihnen Kompetenz zuschreiben. In der Praxis laufe das häufig über Bancassurance-Modelle, etwa Kooperationen zwischen der Deutschen Bank und der Zurich-Gruppe. Entscheidend sei, so Dahmen – früher Vorstand bei Axa Versicherungen und Manager bei der HDI Deutschland AG –, wer die Kundenschnittstelle kontrolliert. Für Lebensversicherer sei das Ergebnis deshalb ein „Warnschuss“, zumal Sparer zunehmend direkt auf ETFs und Fondslösungen ohne Versicherungsmantel setzen.

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