Pflegeheimkosten steigen weiter – Studie zeigt: Bereits 37 Prozent der Bewohner auf Sozialhilfe angewiesen
Mehr als jeder dritte Pflegeheimbewohner in Deutschland ist inzwischen auf Sozialhilfe angewiesen: Rund 37 Prozent der stationär Pflegebedürftigen beziehen Hilfe zur Pflege nach dem SGB XII. Das zeigt eine Analyse von Professor Dr. Heinz Rothgang im Auftrag der DAK-Gesundheit. Die Entwicklung verläuft seit Jahren nach oben – 2019 lag die Quote noch bei etwa 30 Prozent, 2023 bei 36 Prozent. Haupttreiber sind steigende Eigenanteile in Pflegeheimen. Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 müssen im ersten Jahr ihres Heimaufenthalts im Schnitt 3.245 Euro monatlich selbst zahlen; selbst nach Zuschlägen auf den Pflegeanteil bleiben noch rund 2.056 Euro übrig. Laut Rothgang beziehen aktuell etwa 309.000 Pflegeheimbewohner Sozialhilfe. Ohne Reformen könnte diese Zahl bis 2035 auf rund 356.000 steigen – die Sozialhilfequote würde dann 43,7 Prozent erreichen. Für Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, ist die Entwicklung alarmierend: „Die stationäre Pflege wird für immer mehr Menschen zur konkreten Armutsfalle.“
Reformdebatte: Dynamisierung der Pflegeleistungen bringt laut Studie wenig Entlastung
In der politischen Diskussion steht unter anderem ein Vorschlag von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die Leistungen der Pflegeversicherung künftig regelmäßig zu dynamisieren. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schlug sie vor, die Leistungen etwa an Inflation oder Lohnentwicklung anzupassen. Laut den Modellrechnungen von Rothgang wäre der Effekt jedoch begrenzt: Selbst bei einer Dynamisierung entsprechend der allgemeinen Lohnentwicklung würde die Sozialhilfequote bis 2035 auf rund 42,1 Prozent steigen, bei einer Anpassung an die Inflation auf 42,9 Prozent. Grund ist die Kostenstruktur der Pflege. Vor allem Personalkosten steigen deutlich schneller als allgemeine Löhne oder Preise. Laut Studie haben sich Pflegelöhne in den vergangenen zehn Jahren etwa doppelt so stark entwickelt wie die Löhne der übrigen Wirtschaft.
Eigenanteile im Pflegeheim: Deckel könnte Sozialhilfequote senken – PKV warnt vor Milliardenkosten
Eine spürbare Entlastung sieht die Studie vor allem in einem Deckel für Eigenanteile im Pflegeheim. Die aktuell geltenden Zuschläge nach § 43c SGB XI, die den einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) je nach Aufenthaltsdauer um bis zu 75 Prozent reduzieren, spielen dabei eine zentrale Rolle. Ohne diese Zuschläge läge die Sozialhilfequote laut Rothgang bereits heute bei 45 Prozent und würde bis 2032 auf über 50 Prozent steigen. DAK-Chef Storm warnt deshalb vor einer Kürzung dieser Leistungen. Der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) lehnt dagegen einen generellen Eigenanteilsdeckel ab. In einer Stellungnahme argumentiert der Verband, ein solcher Schritt würde die Pflegeversicherung zusätzlich belasten und Beitragszahler zwischen 2027 und 2030 mit rund 9,3 Milliarden Euro zusätzlich treffen. Zudem würden auch Pflegeheimbewohner entlastet, die ihre Kosten bereits heute selbst tragen können – rund zwei Drittel der Bewohner finanzieren ihren Eigenanteil aus eigenen Mitteln. Langfristig brauche die Pflegeversicherung daher mehr private, kapitalgedeckte Vorsorge, so der PKV-Verband.
