Offene Immobilienfonds unter Druck: „Fokus Wohnen Deutschland“ stoppt Anteilsrücknahme – Branche in Alarmbereitschaft

Die Krise der offenen Immobilienfonds verschärft sich: Der Publikumsfonds „Fokus Wohnen Deutschland“ hat mit sofortiger Wirkung die Rücknahme und Ausgabe seiner Anteile ausgesetzt, wie Asset-Manager Industria am Donnerstag mitteilte. Damit reagiert das Unternehmen auf anhaltende Mittelabflüsse und stockende Immobilienverkäufe. Seit 2024 wurden nach Angaben von Industria zehn Objekte im Volumen von 163 Millionen Euro veräußert – allerdings bislang nicht in ausreichendem Umfang, weitere Verkäufe seien schwer planbar. Für Anleger bedeutet das: Rückgaben und Auszahlungen sind vorerst gestoppt.

Mittelabflüsse, Marktverwerfungen und Warnungen der Bafin

Bereits Mitte Januar hatte Wertgrund seinen Fonds „Wohnselect“ vorübergehend geschlossen. Auch dort sind keine Rückgaben mehr möglich. Die Finanzaufsicht Bafin hatte Ende Januar vor weiteren Schließungen gewarnt. Aus offenen Immobilienfonds flössen weiterhin Gelder ab, weil es derzeit attraktivere Anlagealternativen gebe, sagte Bafin-Präsident Mark Branson. Besonders kleinere Anbieter könnten Rückgabewünsche irgendwann nicht mehr bedienen. Laut Scope zählt der „Fokus Wohnen Deutschland“ mit rund 650 Millionen Euro Fondsvermögen nicht zu den großen Marktteilnehmern.

Pflegereform in der Beratung

Nach Daten von Barkow Consulting sind in den vergangenen zwei Jahren rund 13 Milliarden Euro netto aus offenen Immobilienfonds abgeflossen. Derzeit verwalten die knapp 30 für Privatanleger zugelassenen Fonds noch etwa 114 Milliarden Euro. Steffen Sebastian von der Universität Regensburg sieht Parallelen zu „Wohnselect“: Beide Fonds verfügten über werthaltige Immobilien, jedoch nicht über einen ausreichend starken Vertrieb, um Mittelabflüsse zu kompensieren. Ob weitere Fonds folgen, sei laut Sebastian offen – das wüssten nur Management oder Bafin. Seit 2013 gilt eine zwölfmonatige Kündigungsfrist für Rückgaben. Die aktuell ausgezahlten Gelder wurden also bereits vor einem Jahr gekündigt – ein Zeitpuffer für Verkäufe, aber keine Garantie gegen weitere Schließungen.

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