Pflegeversicherung 2026: Milliarden-Darlehen kaschieren strukturelles Defizit

Die soziale Pflegeversicherung steht finanziell weiter unter Druck: Wie Oliver Blatt, Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands, der Nachrichtenagentur dpa sagte, konnte 2025 nur dank eines Bundesdarlehens von 500 Millionen Euro eine „gerade schwarze Null“ von zehn Millionen Euro erzielt werden. Für 2026 rechnen die Pflegekassen laut dpa zwar mit einem Überschuss von 400 Millionen Euro – allerdings erneut inklusive eines Bundesdarlehens von 3,2 Milliarden Euro. „Das ehrliche Ergebnis ist also ein erwartetes Minus von 2,8 Milliarden Euro“, so Blatt. Für 2027 sei sogar mit einem Defizit von knapp fünf Milliarden Euro zu rechnen.

Deutlich mehr Leistungsbezieher

Trotz der Beitragssatzanhebung um 0,2 Prozentpunkte Anfang 2025 – auf 3,6 Prozent für Versicherte mit Kind und 4,2 Prozent für Kinderlose – wächst die Ausgabenseite schneller als die Einnahmen. Laut dpa stiegen die Beitragseinnahmen 2025 um elf Prozent auf 72,5 Milliarden Euro, die Ausgaben kletterten auf 73,8 Milliarden Euro. Für 2026 werden Ausgaben von 79 Milliarden Euro erwartet, während die Beitragseinnahmen nur auf 75,3 Milliarden Euro zulegen dürften. Haupttreiber sind die auf 5,6 Millionen gestiegene Zahl der Leistungsbeziehenden, die Reform von 2017 mit erweiterten Pflegegraden sowie höhere Personalkosten durch die seit 2022 geltende Tarifbindung in Pflegeeinrichtungen.

Pflegereform in der Beratung

Die Folgen tragen auch die Versicherten: Wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen zum 1. Januar zeigt, liegt der durchschnittliche Eigenanteil im ersten Heimjahr bei 3.245 Euro monatlich – 261 Euro mehr als ein Jahr zuvor. Pflegeversicherung bedeutet Teilkasko: Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten kommen zusätzlich hinzu. Politisch wird über eine große Reform beraten. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stellte laut dpa Ergebnisse einer Arbeitsgruppe vor, Kanzler Friedrich Merz (CDU) sieht weiteren Beratungsbedarf. Vorschläge reichen von höheren Steuerzuschüssen bis zu einer Vollversicherung, die Warken ablehnt. Blatt mahnt gegenüber dpa: „Immer höhere Beiträge und weiter steigende Eigenanteile für die Pflegebedürftigen sind doch keine tragfähigen Optionen.“

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