KI und Stellenabbau bei Ergo und Allianz Partners: Gewerkschaft warnt vor Kurzschlussreaktion

Die Ankündigungen der Ergo-Versicherung und der Allianz-Tochter Allianz Partners, im Zuge von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) Stellen abzubauen, stoßen auf scharfe Kritik der Neuen Assekuranz Gewerkschaft (NAG). Wie procontra berichtet, plant die Ergo bis 2030 den Abbau von rund 1.000 Arbeitsplätzen in Deutschland – etwa 200 pro Jahr –, vor allem in Bereichen mit einfachen, repetitiven Tätigkeiten wie Callcentern oder der Schadenbearbeitung. Der Konzern betont, der Abbau solle sozialverträglich und primär über natürliche Fluktuation erfolgen. Parallel sollen Verwaltungs- und Servicejobs unter anderem nach Polen oder Indien verlagert werden. Medienberichten zufolge könnten auch bei Allianz Partners bis zu 1.500 Stellen entfallen. Die NAG fordert nun ein Umdenken in den Vorstandsetagen und warnt davor, KI als kurzfristiges Sparinstrument zu missbrauchen.

Demografischer Wandel statt „Überbietungswettbewerb beim Personalabbau“

Nach Auffassung der Gewerkschaft wird bei der Debatte ein entscheidender Faktor ausgeblendet: die Altersstruktur der Branche. In den kommenden fünf bis zehn Jahren werde ein erheblicher Teil der Belegschaften altersbedingt ausscheiden; branchenübergreifend rechnet man bis 2035 mit einem Netto-Rückgang von mehr als drei Millionen Erwerbstätigen. Diese Entwicklung mache auch vor der Versicherungswirtschaft nicht halt. NAG-Vorsitzende Gaby Mücke spricht gegenüber procontra von einem „Überbietungswettbewerb beim Personalabbau“ ohne belastbare Grundlage. Effizienzgewinne durch KI könnten zwar Kosten senken, führten aber häufig zu Arbeitsverdichtung und Einschränkungen im Kundenservice. Die Einsparungen, so die Kritik, kämen vor allem Eigentümern und Aktionären zugute. Gefordert werden stattdessen „intelligente Brückenlösungen“ bis zum Renteneintritt der Babyboomer – also ein gleitender Übergang statt eines harten Schnitts.

Qualifizierungsoffensive statt Jobkiller-Narrativ

Gerade im IT-Bereich sieht die NAG KI nicht als Arbeitsplatzvernichter, sondern als Katalysator für veränderte Anforderungsprofile. Der Bedarf an IT-Sicherheit, Datenarchitektur und Steuerung komplexer KI-Systeme werde eher steigen als sinken. „Wer glaubt, dass KI die IT-Abteilungen morgen überflüssig macht, hat die Technologie nicht verstanden“, erklärt Gaby Mücke. Arbeit werde nicht weniger, sondern anspruchsvoller. Umschulungsprogramme seien jedoch nur dann sinnvoll, wenn neue Positionen auch im Inland entstünden – eine Verlagerung von Stellen ins Ausland konterkariere entsprechende Strategien. Die Gewerkschaft fordert deshalb den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen im Rahmen der KI-Transformation und eine Anpassung des Personalbestands über natürliche Fluktuation. In profitablen Unternehmen mit wachsendem Fachkräftemangel sei ein radikaler Stellenabbau aus Sicht der NAG der falsche Weg. Die Kernfrage lautet damit: Wird KI zum Modernisierungshebel – oder zum Instrument kurzfristiger Kostenoptimierung?

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