ETF-Boom in Fondspolicen: Warum passive Investments 2025 dominieren

Der Kapitalmarkt bleibt 2025 unangefochtener Investmentkern für den langfristigen Vermögensaufbau – ob im Versicherungsmantel, über Versorgungswerke oder die betriebliche Altersversorgung. Publikumsfonds verwalten inzwischen ein Rekordvermögen von 4.850 Milliarden Euro. Besonders dynamisch entwickeln sich ETFs: Von 86 Milliarden Euro Nettomittelzuflüssen in Publikumsfonds entfielen laut BVI 57 Milliarden Euro – also 66 Prozent – auf börsengehandelte Indexfonds. Auch strukturell verschiebt sich das Gewicht: 43 Prozent des Nettovermögens in Aktienfonds (932 Milliarden Euro) liegen in Aktien-ETFs, bei Rentenfonds sind es 27 Prozent. Insgesamt ist damit mehr als ein Viertel des gesamten Fondsvermögens passiv investiert – Tendenz weiter steigend. Für die Beratung bedeutet das: Die Frage „aktiv oder passiv?“ wird zunehmend zum Kern der Investmentstrategie. ETF-Befürworter argumentieren mit klarer Logik – geringe Kosten, verlässliche Marktrendite. Die Scope-Studie liefert Rückenwind: 2025 lag die Outperformance-Ratio aktiver Fonds je nach Region lediglich zwischen 13,5 Prozent (Aktien Euroland) und 36,3 Prozent (Aktien Japan). Anders formuliert: Selbst im besten Segment schlug nur rund jeder dritte aktive Fonds seinen Vergleichsindex.

Fondspolicen im Wandel: Versicherer bauen ETF-Angebot massiv aus

Diese Entwicklung spiegelt sich deutlich im Neugeschäft der Lebensversicherer wider. Die fondsgebundene Rentenversicherung gilt als Wachstumstreiber – und ETFs sind dort längst kein Nischenprodukt mehr. Sigurd Löwe, Bereichsleiter Vertrieb, Produkte & Projekte bei der Alte Leipziger, berichtet auf procontra-Nachfrage: „Von aktuell 181 Titeln in unseren Fondsrenten entfallen 84 auf ETFs. Vor fünf Jahren waren es nur 23.“ Die Mehrheit der Kunden entscheide sich inzwischen für ETFs, bevorzugt den MSCI World. Auch Simone Szydlak vom Volkswohl Bund bestätigt die Verschiebung: In den vergangenen fünf Jahren seien 47 neue Fonds aufgenommen worden, davon 35 ETFs; gleichzeitig habe man rund 50 aktive Fonds reduziert. Heute wählten 90 Prozent der Kunden in der fondsgebundenen Altersvorsorge einen ETF – 2021 war das Verhältnis noch ausgeglichen. Ähnliche Tendenzen meldet die WWK mit einem deutlichen Ausbau passiver Bausteine. Thomas Buchholz, Investment-Experte der LV1871, beschreibt gegenüber procontra eine vergleichbare Dynamik: Während passive Produkte vor sechs Jahren lediglich 15 bis 20 Prozent des Angebots ausmachten, sei das Universum heute ausgeglichen. Im Neugeschäft liege der Anteil passiver Lösungen inzwischen bei 50 bis 60 Prozent. Die Marktrealität ist damit klar: ETF als Standard, aktiver Fonds als Ergänzung – nicht mehr umgekehrt.

Kosten, Risiko, Verlustvermeidung: Aktive Fonds unter Beweiszwang

Trotz ETF-Dominanz bleiben aktive Fonds Bestandteil des Fondsuniversums. Die Anbieter reagieren auf Kostensensibilität mit institutionellen Tranchen ohne Rückvergütung, wie Sigurd Löwe erläutert – gebündelte Kundengelder ermöglichen günstigere Strukturen als klassische Retailtranchen. Für Vermittler ändert sich an der Vergütung laut Richard Weber, Investment- und Altersvorsorge-Experte bei der Finanzberatung Bierl, wenig: „Die Fondsauswahl hat auf die Vergütung der Fondspolice keinen Einfluss.“ Günstige Fonds senkten jedoch die Effektivkosten und steigerten damit die Attraktivität der Police. Gleichwohl greift eine rein kostenbasierte Betrachtung zu kurz. Langfristiger Vermögensaufbau bedeutet nicht nur Renditejagd, sondern Risikosteuerung. Ein Verlust von 30 Prozent erfordert 43 Prozent Gewinn zum Ausgleich; bei 50 Prozent Minus sind 100 Prozent Rendite nötig – eine mathematische Realität, die Anleger häufig unterschätzen. Hier setzen aktive Manager an: durch Assetallokation und Risikomanagement Verlustphasen abfedern. Ob das gelingt, muss sich jedoch messen lassen – etwa anhand von Volatilität oder maximalem Drawdown. Laut procontra-Fondsanalyse existieren aktive Fonds, die im Risikoprofil besser abschneiden als ihr ETF-Pendant. Die Aufgabe für Vermittler bleibt daher analytisch: Kosten, Renditepotenzial und Risikokennzahlen in einer Gesamtbetrachtung bewerten – statt sich allein von Trends treiben zu lassen.

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