Pferdeversicherung boomt: Milliardenmarkt eröffnet Maklern neue Chancen
Deutschlandweit entwickelt sich der Reitsport zunehmend zu einem relevanten Wirtschaftsfaktor – und damit auch zu einem attraktiven Geschäftsfeld für Versicherer und Makler. Nach aktuellen Schätzungen liegt der Umsatz der deutschen Pferdewirtschaft bei rund 6,7 Milliarden Euro. Davon entfallen 39 Prozent beziehungsweise 2,6 Milliarden Euro auf das reine Pferdehalten, während 61 Prozent oder 4,1 Milliarden Euro im Einzelhandel und in Dienstleistungen generiert werden. Mehr als 10.000 Unternehmen, Handwerksbetriebe und Serviceanbieter sind hierzulande rund um Pferd und Reitsport aktiv; bereits drei bis vier Pferde sichern statistisch einen Arbeitsplatz. Das Tier ist damit nicht nur emotionales Kulturgut, sondern ökonomischer Motor. Dass Pferdehalter überdurchschnittlich gut verdienen, überrascht vor diesem Hintergrund kaum – und erklärt, weshalb sich immer mehr Marktteilnehmer im Komposit-Segment spezialisieren. Besonders gefragt: neben der Tierhalterhaftpflicht vor allem die Pferde-OP-Versicherung. „Eine Pferde-OP-Versicherung ist – abhängig vom gewählten Versicherungsschutz – deutlich teurer als eine Pferdehalter-Haftpflichtversicherung“, erklärt Marina Bux aus der Produktentwicklung Komposit bei der Barmenia. Doch der Preis relativiert sich schnell angesichts möglicher Schadenhöhen: „Operationen bei Pferden können Kosten im fünfstelligen Bereich verursachen. Rechnungen von 50.000 Euro oder mehr sind möglich“, so Bux. Ohne Absicherung könne es für viele Halter finanziell eng werden – ein klassischer Fall von hoher Einmalbelastung versus kalkulierbarer Prämie.
Beratungsintensiv statt standardisiert: Pferdeversicherungen als Bindungsinstrument
Für Makler eröffnet dieses Segment Chancen – allerdings nur mit Fachkenntnis. Reiterfahrung ist laut Marina Bux keine Voraussetzung, wohl aber Wissen über tierartspezifische Risiken wie Koliken, die häufig auftreten und tödlich enden können. Entsprechend bieten viele Versicherer spezielle Kolik-Bausteine an. Felix Garlipp, Bereichsleiter Produkt- und Portfoliomanagement bei den Uelzener Versicherungen, betont im Gespräch die strategische Dimension: „Pferdeversicherungen sind stark beratungsgetrieben und schaffen eine enge, langfristige Bindung zwischen Makler und Kunden.“ Vertrauen, Verlässlichkeit, fachliche Begleitung – gerade im Leistungsfall – seien für Pferdehalter entscheidend. Das Segment unterscheide sich damit deutlich von standardisierten Massenprodukten. Gleichzeitig weist der spezialisierte Makler Joachim Hart (Pegaschutz) im Gespräch mit procontra auf strukturelle Schwächen hin: In den Bedingungen sei nicht immer klar genug geregelt, welche Kosten gedeckt sind. „Das muss auch für den Kunden transparent und verständlich dargestellt sein“, fordert Hart. Mehrere Bedingungswerke mit zusätzlichen Maklerergänzungen führten schnell zu Intransparenz. Im Zweifel verzichtet er auf solche Tarife. Entscheidender als das Papier sei ohnehin die Performance im Schadenfall. „Die meisten Herausforderungen entstehen nicht aufgrund der Bedingungen, sondern aufgrund operativer Schwächen“, so Hart. Antithese des Marktes: umfangreiche Klauseln auf dem Papier – aber Reibungsverluste in der Praxis.
Schadenmanagement, Direktabrechnung und Arbeitskraftabsicherung im Fokus
Wie wichtig effiziente Prozesse sind, unterstreicht Felix Garlipp: Schnelle Deckungsprüfungen, klare Kommunikation sowie veterinärmedizinische Fachkräfte in der Schadenabteilung seien essenziell, um finanzielle Unsicherheiten für Halter und Tierkliniken zu vermeiden. Einige Versicherer ermöglichen in der OP-Versicherung zudem eine Direktabrechnung mit Tierärzten. Bei der Barmenia setzt dies laut Marina Bux voraus, dass Tierarzt oder Klinik dieses Verfahren akzeptieren – andernfalls tritt der Halter in Vorleistung. Makler sollten daher vorab klären, welche Abrechnungswege möglich sind. Ebenso wichtig: transparente Erläuterung von Leistungen, Ausschlüssen, Wartezeiten, Vorerkrankungen, Selbstbehalten und der tierärztlichen Gebührenordnung. Laut Garlipp arbeitet sein Haus daran, die Digitalisierung im Schadenmanagement auszubauen, um ein „Dokumenten-Ping-Pong“ zu vermeiden. Und der Blick sollte weitergehen als bis zum Stalltor: Joachim Hart erinnert daran, neben dem Pferd auch den Reiter abzusichern – etwa durch Prüfung der Privathaftpflicht hinsichtlich des Hüten fremder Pferde, über Hausratlösungen für den Sattelschrank oder durch eine Absicherung der Arbeitskraft. Besonders sinnvoll seien laut Garlipp Tierhalterhaftpflicht, Unfallversicherung für Reiter sowie – je nach Situation – Berufsunfähigkeits- und Rechtsschutzlösungen. Fazit für Makler: Der Pferdemarkt ist kein Nischenhobby, sondern ein Milliardenmarkt – wer ihn fachlich durchdringt, gewinnt nicht nur Prämienvolumen, sondern langfristige Kundenbeziehungen.
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