Aktive ETFs stehen aktuell stärker im Fokus von Anlegern und Produktanbietern. Der Grund ist schnell erklärt: Ähnlich wie klassische aktive Fonds zielen sie auf eine Outperformance gegenüber einem Referenzindex, werden jedoch zu deutlich geringeren Kosten angeboten. Während aktiv gemanagte globale Aktienfonds im Schnitt Verwaltungsgebühren von über einem Prozent pro Jahr verlangen, liegen aktive ETFs in derselben Anlageklasse häufig bei rund 0,4 Prozent jährlich. Rechtlich gelten sie als UCITS-Fonds und sind damit auch für fondsgebundene Versicherungen einsetzbar. Laut einer Studie des Anlegerportals extraETF sind in Deutschland inzwischen 281 aktive ETFs mit einem verwalteten Vermögen von rund 51 Milliarden Euro verfügbar, wobei der Großteil der Mittel von institutionellen Investoren stammt. Das Segment wird bislang von ausländischen Anbietern dominiert, auch wenn deutsche Häuser wie DWS, Deka oder Quoniam vertreten sind. Marktführer ist J.P. Morgan Asset Management (JPAM) mit 30 Aktien- und Rentenprodukten.
„Aktiv“ im ETF-Mantel – wie viel Management steckt drin?
Der Begriff „aktiver ETF“ galt lange als Widerspruch, doch inzwischen nutzt die Branche das ETF-Vehikel auch für aktive Strategien. Allerdings geschieht dies oft in reduzierter Form. Scope Ratings beschreibt in einer Marktstudie, dass vielfach bestehende Research-Ressourcen genutzt werden, jedoch mit weniger diskretionären Managerentscheidungen als bei klassischen Fonds. Eine bewusste Abgrenzung, um Kannibalisierungseffekte zu vermeiden. Weitere Kostenvorteile entstehen dadurch, dass aktive ETFs überwiegend über digitale Plattformen vertrieben und börsennotiert sind, was Teile der Fondsverwaltung überflüssig macht. Damit reagiert die Industrie auf den anhaltenden Preisdruck durch passive ETFs, die im Aktienbereich häufig nur 10 bis 20 Basispunkte kosten.
Outperformance: Anspruch, Realität und offene Fragen
Ob aktive ETFs ihren Anspruch tatsächlich erfüllen, ist noch nicht abschließend geklärt. Laut extraETF verfügen lediglich 66 der 281 Produkte über eine Historie von mehr als drei Jahren. In dieser Gruppe erzielten einige Strategien mit Fokus auf die USA, Europa, Japan oder globale Aktien eine moderate Überrendite gegenüber passiven ETFs. Für Volker Schilling, CEO von Greiff Capital Management, ist das jedoch wenig überzeugend. Er bezeichnet aktive ETFs im Interview als „Mogelpackung“ und führt die erzielte Outperformance eher auf gezielte Indexabweichungen – etwa zugunsten von US-Technologiewerten – als auf echte Managerleistung zurück. JPAM weist diese Kritik zurück und verweist auf die eigene Research-Enhanced-Index-Strategie (REI), die gezielte Über- und Untergewichtungen innerhalb der Benchmark ermögliche, ohne das Marktrisiko deutlich zu erhöhen. Auch Fondsexperte Ali Masarwah mahnt zur Zurückhaltung: Die Produkte seien noch zu jung, um ihre langfristige Leistungsfähigkeit seriös zu beurteilen. Ob aktive ETFs für Privatanleger in Deutschland zum Massenprodukt werden, sei offen – könnte sich mit belastbaren Performancehistorien jedoch rasch ändern.
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