Seit wenigen Monaten steht Ait Voncke an der Spitze von Blau Direkt – und bringt bewusst keinen klassischen Versicherungshintergrund mit. Der gebürtige Belgier war in den vergangenen 27 Jahren international tätig, unter anderem bei Rocket Internet, Expedia sowie im Umfeld von KKR und Axel Springer. Diese Perspektive versteht Voncke als Vorteil. „Ich gehe unvoreingenommen an Themen heran“, sagt er im Gespräch mit procontra und verweist zugleich auf das umfangreiche Versicherungs-Know-how im eigenen Haus. Sein Führungsansatz folgt dem Prinzip des „First-Principle-Thinking“: Probleme auf ihren Kern reduzieren, unterschiedliche Perspektiven einholen und dann gemeinsam entscheiden. Blau Direkt versteht er dabei klar als Plattform für Makler – nicht als Produktanbieter. Vergleichbar sei das Modell eher mit Shopify oder Stripe als mit Amazon: technologischer Enabler im Hintergrund, nicht sichtbarer Akteur im Endkundengeschäft.
Wachstum und Konsolidierung im Poolmarkt
Blau Direkt ist seit 2020 jährlich um 25 bis 30 Prozent gewachsen – ein Tempo, das Voncke fortsetzen will. Das Wachstum soll sowohl organisch erfolgen, etwa durch neue Makleranschlüsse oder Bestandsübertragungen, als auch durch gezielte Übernahmen wie zuletzt Maxpool. Der CEO rechnet fest mit einer weiteren Konsolidierung im Poolmarkt. Die Investitionen in Technologie, insbesondere mit Blick auf Künstliche Intelligenz, seien für kleinere Anbieter zunehmend schwer zu stemmen. „Vielleicht gibt es in fünf Jahren nur noch eine Handvoll großer Pools plus einige Nischenanbieter“, so Voncke. Entscheidend werde sein, wer technologische Innovationen am schnellsten und sinnvollsten für Makler nutzbar macht.
KI als Betriebssystem der Maklerwelt
Im Zentrum der Strategie steht der Einsatz von „Agentic AI“ – KI-Agenten, die nicht nur informieren, sondern Aufgaben übernehmen. Denkbar sind etwa automatische Hinweise auf Potenziale im Bestand, Terminvorbereitungen oder das frühzeitige Erkennen von Unstimmigkeiten zwischen Vertrag, Police und Bestand. Für Voncke ist klar: Das ist kein Projekt mit festem Enddatum, sondern ein laufender Prozess aus Testen, Ausrollen und Lernen. Trotz zunehmender Automatisierung will Blau Direkt den persönlichen Kontakt nicht aufgeben. Für komplexe Fälle setzt das Unternehmen auf spezialisierte Ansprechpartner statt Callcenter-Strukturen. Mit Blick nach vorn beschreibt Voncke die Ambition so: Blau Direkt soll zum „Betriebssystem der Versicherungswelt“ werden – eine Plattform, an die Makler ihre Tools, Prozesse und künftig auch KI-Anwendungen andocken können.
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