KI-Dashcams in Kfz-Flotten: Wie künstliche Intelligenz Unfälle senkt und Versicherer aufhorchen lässt

KI-Dashcam startet im deutschen Flottenalltag

Aktueller Aufhänger aus dem Flottenmarkt: In Deutschland ist erstmals eine mittelgroße gewerbliche Kfz-Flotte mit einer KI-gestützten Dashcam-Lösung von Nauto in den Regelbetrieb gegangen – und das mit klaren Erwartungen an Schadenprävention und Wirtschaftlichkeit. Konkret setzt die Nobleglass GmbH & Co. KG, bundesweit tätig im mobilen Autoglas-Service, das System in ihrer 107 Fahrzeuge umfassenden Flotte ein. Eingeführt wurde die Technologie gemeinsam mit dem Flottendienstleister Auto Fleet Control (AFC), dem Beratungsunternehmen Riskguard sowie der Zürich Beteiligungs-Aktiengesellschaft (Deutschland). Ziel ist es, Unfälle frühzeitig zu verhindern, Risiken transparent zu machen und mittelfristig die Schadenquote zu senken – ein Ansatz, der angesichts explodierender Prämien im Flottenversicherungsgeschäft nicht für Jubelsprünge sorgt, aber Aufmerksamkeit erzeugt.

Sekunden entscheiden: Wie KI Fahrerlenkung übernimmt

Im Kern arbeitet das System mit einer im Fahrzeug installierten Telematik-Box inklusive Kamera, die sowohl das Verkehrsgeschehen als auch das Fahrerverhalten analysiert. Registriert die KI Ablenkung – etwa durch ein Smartphone –, erfolgt zunächst eine dezente Warnung, die sich in kritischen Situationen deutlich intensiviert. „Der Fahrer, der in ein Handy tippt, hat in der Regel nur drei bis vier Sekunden, um auszuweichen. Daher muss die KI die Warnung vier bis fünf Sekunden vorher geben“, erklärte Dr. Stefan Heck von Nauto auf der K-Tagung 2024 von Meyerthole Siems Kohlruss (MSK). Laut Heck lasse sich die Unfallquote im Schnitt um rund 50 Prozent reduzieren. Die KI wurde mit mehr als fünf Milliarden gefahrenen Kilometern trainiert und verhindere weltweit – unter anderem in den USA und Japan – rund 30.000 Unfälle pro Jahr. Auffällig dabei: Bereits nach zwei Tagen sinken laut Nauto rund 80 Prozent der Ablenkungen, nach zwei Wochen tritt ein Gewöhnungseffekt ein – das System verschwindet gefühlt aus dem Alltag, ohne an Wirkung zu verlieren.

Datenschutz, Kosten und Versicherersicht: Nüchterne Bilanz statt Euphorie

Datenschutzrechtlich setzt das Projekt auf Zurückhaltung statt Totalüberwachung. Zugriff auf die Daten haben ausschließlich die Risikomanager von AFC, wie Nobleglass mitteilt. Die Verarbeitung erfolgt anlassbezogen und DSGVO-konform, nicht relevante Daten werden nach 30 Tagen gelöscht, Unfallaufnahmen spätestens nach zwei Jahren, personenbezogene Merkmale automatisch anonymisiert. Ein direkter Zugriff für den Versicherer besteht nicht. Da die Fahrzeuge ausschließlich dienstlich genutzt werden, sind private Fahrten und ein Abschalten der Kamera kein Thema. Wirtschaftlich beziffert Nauto die Kosten auf rund 450 Euro pro Fahrzeug für Hardware und Software. „In Deutschland lohnt sich das System nach acht bis neun Monaten“, so Heck. Christoph Krüll, Leiter Underwriting Kfz-Flotten bei der Zurich Versicherung, spricht von einem „echten Mehrwert für Prävention“, betont jedoch, dass KI-Dashcams bislang nur eine Maßnahme im Risikomanagement seien – ein Vorab-Bonus bei der Prämie ist derzeit nicht vorgesehen. Antithese des Projekts: hohe Erwartungen treffen auf nüchterne Kalkulation. Sollte die Schadenquote jedoch tatsächlich deutlich sinken, dürfte das Thema KI-Telematik in der Flottenversicherung schnell vom Pilotprojekt zum neuen Standard werden.

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