Kurz vor Weihnachten hat der abrupte Abgang von Bernd Helmsauer als CEO der Helmsauer Gruppe in der Branche für reichlich Gesprächsstoff gesorgt – und die Geschichte dreht seitdem weiter. Denn nur wenige Tage später nahmen seine Söhne Bastian und Steffen Helmsauer in Nürnberg den Betrieb ihres eigenen Maklerunternehmens auf: dem Helmsauer Verbund. Damit ist klar, wer künftig wo steht: Hier der von Nordic Capital übernommene Konzernverbund, dort die Neugründung aus der Familie – und dazwischen eine Gemengelage aus Strategie-Streit, Mitarbeiterbewegungen und möglichen wettbewerbsrechtlichen Fronten.
Bernd Helmsauer über den Bruch mit Nordic: „Man muss sich ehrlich machen“
Erstmals äußert sich Bernd Helmsauer nun selbst zu den Hintergründen seines Rückzugs. Im Gespräch mit procontrabeschreibt er einen grundlegenden Dissens mit dem Investor: „Nordic und ich hatten eine unterschiedliche Ansicht über die weitere Vorgehensweise zur Fortentwicklung des Unternehmens“, sagt Helmsauer. Wenn man als Gesellschafter und Geschäftsführer nicht dieselbe Strategie wie der Mitgesellschafter teile, müsse man „sich ehrlich machen und die Ämter niederlegen“ – was „meine Frau, meine beiden Söhne und ich zu den jeweils möglichen Zeitpunkten getan haben“. Der entscheidende Punkt sei für ihn simpel, aber scharf: „Schlussendlich kann ich als CEO keine Strategie umsetzen, von der ich nicht überzeugt bin.“ Besonders kritisch sieht Helmsauer eine Wachstumsstrategie, die vor allem auf überwiegend kreditfinanzierten Zukäufen basiert. Damit greift er ein Argument auf, das international agierenden Finanzinvestorenvon Experten immer wieder vorgehalten wird: Sie sähen die Umsatzchancen aus zugekauften Beständen, unterschätzten aber Aufwand und Risiken bei Integration, Bestandspflege und Strukturharmonisierung. Für Helmsauer ist deshalb klar: Synergien und Integration müssten im Zentrum stehen – Zukäufe allein reichten nicht.
Helmsauer bleibt operativ – aber außerhalb des Maklergeschäfts
Von „arbeitslos“ kann bei Bernd Helmsauer trotzdem keine Rede sein. Wie er in einem Interview mit Asscompacterläutert, übernimmt er weiterhin Geschäftsführungsaufgaben jenseits des Versicherungsmaklergeschäfts: Innerhalb der Gruppe verantwortet er demnach 17 Gesellschaften, an denen er 100 Prozent der Anteile hält. Dazu gehören etwa die Verrechnungsstelle für Ärzte, eine IT-Gesellschaft, ein Beratungszentrum für das Gesundheitswesen sowie Abrechnungsgesellschaften für Selektivverträge. Auch der Nürnberger Büroturm, in dem die Helmsauer Gruppe sitzt, gehört einer Besitzgesellschaft Helmsauers – Nordic habe dort einen langlaufenden Mietvertrag. Allerdings wurde procontra aus unternehmensnahen Kreisen zugetragen, der Investor habe intern bereits angekündigt, aus dem Gebäude auszuziehen. Seine Söhne sollen derweil weiterhin in Teilzeit für die Verrechnungsstelle tätig sein. Am neu gegründeten Helmsauer Verbund ist Bernd Helmsauer nach eigener Aussage dagegen weder operativ noch finanziell beteiligt – das sei schon wegen eines Wettbewerbsverbots nicht anders möglich. Dieses betreffe alle operativen Tätigkeiten im Versicherungsmaklergeschäft.
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