Die Barmeniagothaer Finanzholding AG hat ihre Marktposition im laufenden Jahr spürbar verbessert: Nach vorläufigen Zahlen steigt der Konzern 2025 von Rang zehn auf Rang neun der größten Versicherungsgruppen in Deutschland auf. Wie das Unternehmen mitteilte, wachsen die Beitragseinnahmen des aus zwei Gegenseitigkeitsvereinen entstandenen Versicherers um 7,9 Prozent auf rund 9,3 Milliarden Euro. Damit liegt die Barmeniagothaer über dem Marktdurchschnitt von 7,4 Prozent, den der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) ausweist. „Es ist gelungen, unsere gesamten Kräfte des Unternehmens im Markt zu halten“, erklärte Co-Vorstandschef Oliver Schoeller. Parallel verbessert sich die Solvenzquote von 189 auf 201 Prozent, der Konzernjahresüberschuss soll von 19 auf rund 101 Millionen Euro steigen – solide Kennzahlen, die allerdings nicht alle Sparten gleichermaßen tragen.
Sparten im Vergleich: Gesundheit und Komposit ziehen, Leben bremst
Über dem Markt wachsen 2025 vor allem die Krankenversicherung mit einem Plus von 8,8 Prozent (Markt: 8,0 Prozent) sowie das Kompositgeschäft mit 8,9 Prozent (Markt: 7,7 Prozent). Die Lebensversicherung hingegen bleibt hinter den Erwartungen zurück: Mit Beitragseinnahmen von 1,71 Milliarden Euro und einem Wachstum von 3,8 Prozent liegt sie deutlich unter dem Marktniveau von sieben Prozent. Zwar legt das Einmalbeitragsgeschäft um 16 Prozent zu, doch auch hier zieht der Markt mit 25 Prozent stärker an. Ein Gegenpol zeigt sich bei den laufenden Beiträgen, die – laut Unternehmen besonders nachhaltig – um 0,5 Prozent wachsen, während der Markt einen Rückgang von 0,6 Prozent verzeichnet. Als Lichtblick verweist die Barmeniagothaer auf fondsgebundene Rentenversicherungen: Das Neugeschäft stieg von Januar bis November 2025 um 166 Prozent, während der Markt laut Unternehmensangaben lediglich um 1,1 Prozent zulegte.
Strategie und Ausblick: KI, Maklervertrieb – und ein angespanntes 2026
Strukturell bleibt der Konzern im Umbau. Einen Zeitplan für die Fusion der beiden Krankenversicherer nennt das Management nicht – auch wegen der ab 2028 geplanten neuen Gebührenordnung für Ärzte, die erhebliche Ressourcen binde. Im Vertrieb sorgte zuletzt die Einführung eines einheitlichen Vergütungssystems für Unruhe, doch laut Co-Vorstandschef Dr. Andreas Eurich sei man nach Abstimmung mit den Mitbestimmungsgremien „zum 1. Januar 2026 startklar“. Der Exklusivvertrieb trägt aktuell rund 68 Prozent zum Wachstum bei, der Maklerkanal soll künftig stärker ausgebaut werden. Künstliche Intelligenz sieht der Versicherer als zentrale Priorität für 2026, allerdings ohne Stellenabbau – Ziel sei es, den demografisch bedingten Personalmangel abzufedern. Positiv entwickelt sich der PKV-Bestand: Bis September 2025 kamen rund 9.000 Vollversicherte hinzu. Nachhaltig positioniert sich der Konzern mit einem „AA+“-Rating von Assekurata. Trotz dieser Fortschritte blickt das Management verhalten nach vorn: Angespannte geopolitische Rahmenbedingungen und fehlende Reformimpulse in Europa lassen 2026 weniger Raum für Optimismus, so Schoeller.
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