Der Markt für Tierversicherungen gewinnt spürbar an Dynamik: 44 Prozent aller deutschen Haushalte halten mindestens ein Haustier, doch nur rund die Hälfte dieser Tiere ist aktuell versichert. Besonders Katzen mit 15,9 Millionen Tieren und Hunde mit 10,5 Millionen dominieren den Bestand. Im internationalen Vergleich zeigt sich das unausgeschöpfte Potenzial deutlich: In Schweden oder Großbritannien liegen die Versicherungsquoten bei bis zu 80 Prozent, wie Ludwig Koch, Head of Product bei Cleos Welt, betont. Gleichzeitig steigen die Tierarztkosten – ausgelöst durch die neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) und höhere Abrechnungssätze –, was den Absicherungsbedarf vieler Tierhalter zusätzlich erhöht. Für Versicherer und Vermittler bedeutet das: Ein wachsender Markt trifft auf eine steigende Sensibilität der Kunden für finanzielle Risiken.
Mehr Wettbewerb, mehr Beratung: Maklerwissen wird zum Erfolgsfaktor
Der zunehmende Wettbewerb unter den Versicherern ist eine logische Folge dieser Entwicklung. Neue Anbieter bereiten den Markteintritt vor, bestehende BaFin-Lizenzen deuten darauf hin, dass 2026 weitere Player hinzukommen könnten. Für Makler eröffnet sich damit ein attraktives Geschäftsfeld mit überschaubarem Wettbewerb und langfristiger Kundenbindung. „Eine Tierversicherung ergänzt bestehende Policen und kann ein wichtiger Hebel in der Bestandsprovision werden“, sagt Matthias Werwath, Vertriebsdirektor SHU bei der Hanse Merkur. Gleichzeitig wird der Markt komplexer: Flexible, modular aufgebaute Tarife gewinnen an Bedeutung, während der reine Preiswettbewerb an Relevanz verliert. Auch die Uelzener Versicherungen haben ihre Produkte entsprechend angepasst. „Bereits die Grundprodukte haben einen hohen Leistungsstandard, sodass die Beratung deutlich vereinfacht wurde“, erläutert Felix Garlipp, Bereichsleiter Produkt- und Portfoliomanagement. Leistung schlägt Beitrag – diese Verschiebung stellt höhere Anforderungen an die Beratungsqualität.
Risiken richtig einordnen: Alter, Rasse und Vertragsdetails entscheiden
Für Makler wird Fachwissen zunehmend zum Differenzierungsmerkmal. Tierversicherungen sind langfristige Produkte mit hoher Bindung, da sie deutlich seltener gewechselt werden als etwa Kfz-Policen, wie Sascha Risse, Abteilungsleiter Makler- und Kooperationsvertrieb bei der Uelzener, erklärt. Entscheidende Faktoren bei der Tarifierung sind Alter, Rasse, Gesundheitszustand und Haltung des Tieres. Hunde werden datenbasiert in mehrere Rassekategorien eingeteilt, Katzen unterscheiden sich vor allem nach Wohnungshaltung oder Freigang. Besonders sensibel ist der Umgang mit vorbelasteten Tieren oder Qualzuchten – eine Gratwanderung zwischen risikogerechter Prämie und Ausschluss, die laut Koch nicht zur Förderung problematischer Zuchtformen führen darf. Hinzu kommt die Frage der Bestandsstabilität: Kündigungen nach Schadenfällen sorgten in der Vergangenheit für Unmut, werden in neueren Tarifen jedoch zunehmend ausgeschlossen. Umso wichtiger ist der Blick ins Kleingedruckte: Ausschlüsse, Laufzeiten, Leistungsgrenzen und der Umgang mit Schadenfällen entscheiden über die Qualität eines Tarifs. Für 2026 gilt daher: Neue Anbieter beobachten, Bedingungen kritisch prüfen – und den Fokus klar auf nachhaltige Leistung statt auf den niedrigsten Beitrag legen.
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