Der GDV erwartet auch für 2026 keine Entspannung bei der Kostenentwicklung in der Wohngebäudeversicherung. Wie Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende GDV-Hauptgeschäftsführerin, gegenüber procontra bestätigt, wirken vor allem drei Faktoren dauerhaft preistreibend: stark gestiegene Bau- und Sanierungskosten, eine höhere Schadenhäufigkeit durch klimabedingte Extreme wie Starkregen, Überschwemmungen oder Sturm sowie verschärfte Anforderungen an Prävention und Sicherheit. Eine „Kostenexplosion“ sehe der Verband zwar nicht, doch die wirtschaftliche Belastung der Sparte sei unübersehbar – insbesondere, weil viele Versicherer bei Combined Ratios über 100 Prozent seit Jahren Verluste schreiben. Dabei unterstreicht Käfer-Rohrbach, dass die im Vorjahr diskutierte mögliche „Verdoppelung“ der Prämien kein Ausblick, sondern ein Szenario gewesen sei: ein Warnsignal, das verdeutlichen soll, wie groß die finanziellen Risiken ohne wirksamere Prävention und klimafolgenangepasstes Bauen werden könnten.
Regulatorische Anforderungen und Risikosteuerung: Versicherer müssen Portfolios aktiv stabilisieren
Vor dem Hintergrund steigender Schadenlasten reagieren viele Versicherer mit Maßnahmen wie Prämienanpassungen, verschärfter Risikoprüfung oder Bestandssanierungen – zuletzt prominent die Gothaer, die schadenbelastete Risiken kündigen will. Hierzu nimmt der GDV keine Einzelbewertung vor, betont jedoch die Notwendigkeit einer risikogerechten Steuerung, um langfristig Beitragsstabilität und Versicherungsschutz sicherzustellen. Eine grundlegende „Unversicherbarkeit“ bestimmter Lagen sieht der Verband nicht, warnt aber davor, Risiken weiter steigen zu lassen: Ohne verbesserte Bauleitplanung, konsequente Präventionsstrategien und regional angepasste Schutzmaßnahmen wird Wohngebäudeversicherung gerade in hochgefährdeten Gebieten zunehmend schwieriger und teurer. Käfer-Rohrbach verweist zudem auf den Einfluss des Anpassungsfaktors, der 2023 mit 14,7 Prozent und 2024 mit 7,5 Prozent die außergewöhnliche Baukostenentwicklung abbildete und 2025 trotz Abkühlung weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt liegen dürfte.
Elementarschäden und Zukunftskonzepte: GDV setzt auf verpflichtendes Angebot statt Pflichtversicherung
In den laufenden Gesprächen mit Bund und Ländern spricht sich der GDV weiterhin gegen eine starre Pflichtversicherung für Elementarrisiken aus. Eine solche löse zentrale Herausforderungen – etwa unzureichende Prävention, risikounbewusste Bauplanung oder fehlende Steuerungsinstrumente – nicht und könne gleichzeitig Haushalte in wenig gefährdeten Regionen übermäßig belasten. Stattdessen plädiert der Verband für ein dreigliedriges Modell: ein verpflichtendes Angebot für Elementarschutz, verbindliche Präventions- und Anpassungsmaßnahmen sowie die gemeinsame Absicherung von Extremereignissen durch Staat und Versicherungswirtschaft. Langfristig sieht Käfer-Rohrbach die Stabilisierung der Wohngebäudeversicherung nur dann gewährleistet, wenn Prävention, risikogerechte Tarifierung und der Umgang mit seltenen, aber schweren Schadenereignissen ineinandergreifen. Qualitätsmängel in bestehenden Policen weist der GDV zurück und verweist auf seine Unterstützungsleistungen wie Musterbedingungen, einheitliche Begriffsdefinitionen und Transparenzmaterialien für Verbraucher.
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