Versicherer präsentieren „Elementar Re“: Neues Sicherungssystem für Hochrisiko-Gebäude startet Debatte um Elementarschutz

Mit Verweis auf die weiter steigenden Klimaschäden hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Mittwoch ein neues Rückversicherungsmodell präsentiert, das den Schutz besonders gefährdeter Wohngebäude dauerhaft sichern soll. Wie GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen erklärte, richten sich Konzept und Zeitpunkt der Vorstellung klar an die laufenden politischen Beratungen zur Elementarschutzversicherung. Betroffen sind laut GDV rund 400.000 Wohngebäude, die in Gebieten mit hoher Schadenwahrscheinlichkeit liegen und zunehmend Schwierigkeiten haben, bezahlbaren Versicherungsschutz zu erhalten.

Das Modell, intern „Elementar Re“ genannt, soll als eigenständiger Versicherer fungieren und Risiken übernehmen, die klassische Wohngebäudeversicherer zu marktgerechten Preisen nicht mehr abdecken können. Vergleichbar ist der Ansatz mit „Extremus“, der deutschen Terrorversicherung; zugleich lehnt sich das Konzept bewusst an das britische „Flood Re“ an – ein System, das nach Angaben des GDV bereits praxistauglich funktioniert und sich ohne staatliche Dauerlast etabliert hat.

Solidarabgabe, gedeckelte Prämien und klare Grenzen beim Leistungsumfang

Kern des Vorschlags ist eine Deckelung der Versicherungsprämien, die sich an der Gebäudegröße orientiert. Für kleine Häuser in Risikozonen bedeutet das: bezahlbare Beiträge trotz hoher Gefährdung. Weil diese Prämien damit nicht risikogerecht wären, sieht das Konzept eine Solidarabgabe vor, die ebenfalls flächenbasiert erhoben wird. GDV-Vizechefin Anja Käfer-Rohrbach sprach von einem „niedrigen zweistelligen Betrag“, den alle Versicherten entrichten sollen, um besonders exponierte Objekte mitzuversichern. Gleichzeitig setzt der Verband klare Grenzen: Sturmfluten bleiben weiterhin ausgeschlossen, ebenso Ereignisse wie das Ostseehochwasser 2023. Im Schadenfall greifen laut GDV zunächst eine eigene Rückversicherung sowie ein sukzessiv wachsender Sicherungsfonds; erst bei Extremereignissen über 30 Milliarden Euro soll der Staat eingreifen. Der Ansatz folge, so Käfer-Rohrbach, der im Koalitionsvertrag erwähnten Idee einer staatlichen Stop-Loss-Lösung – eine Regelung, die laut GDV zugleich einen politischen Anreiz schafft, stärker in Prävention und Klimaanpassung zu investieren.

Politische Weichenstellung: Pflichtversicherung umstritten, Angebotspflicht bevorzugt

Mit dem Vorschlag geht die Branche bewusst in Vorleistung gegenüber der Ministerpräsidentenkonferenz, die am Donnerstag erneut über eine mögliche Pflichtversicherung beraten will. Während mehrere Bundesländer zuletzt eine solche Lösung befürwortet hatten, lehnt der GDV sie weiterhin ab. Asmussen verwies stattdessen auf eine verpflichtende Angebotsabgabe der Versicherer: Hausbesitzer könnten den Schutz ablehnen, hätten dann aber keinen Anspruch auf staatliche Hilfen. Die Abdeckungsquote liege derzeit bei 57 Prozent, „müsse aber deutlich steigen – möglichst nah an die 100 Prozent“, so Asmussen. Parallel weist der GDV das französische Modell zurück, dem er strukturelle Nachteile attestiert, und verweist erneut auf Großbritannien, wo „Flood Re“ laut Verband ein marktschonendes und zugleich sozialverträgliches System etabliert habe – ein Modell, das bereits vor dem Brexit EU-rechtskonform implementiert wurde und somit als Blaupause dienen könne.

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