Gold und Silber erreichen 2025 Rekordniveau
Zum Jahresende 2025 standen die Edelmetallmärkte erneut im Fokus: Gold und Silber verzeichneten eine starke Performance, getragen von geopolitischen Spannungen, hohen Staatsdefiziten und einer weltweiten Aufstockung der Goldreserven durch Zentralbanken. Wie Fondsmanager Manuel Zeuch vom DJE – Gold & Ressourcen im Gespräch mit procontra erläutert, trieben insbesondere handelspolitische Konflikte, Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank sowie anhaltende Inflationsbefürchtungen den Goldpreis auf neue Allzeithochs. Gleichzeitig setzte ein bemerkenswerter Akteur Impulse: Länder des globalen Südens und ihre Notenbanken kauften laut Zeuch in den vergangenen drei Jahren rund 1.000 Tonnen Gold – doppelt so viel wie im Zeitraum vor dem Ukrainekrieg. Parallel dazu kehrten Gold-ETFs nach jahrelanger Zurückhaltung in den Markt zurück und verstärkten die Nachfrage zusätzlich. Beim Silberpreis wirkten mehrere Faktoren zusammen: Rund 60 Prozent der Nachfrage entfielen 2025 auf industrielle Anwendungen, vor allem Elektronik, Solar und Automobil. Weil ein großer Teil des Silbers als Nebenprodukt aus Minen stammt, die zuletzt häufiger stillstanden, setzte sich ein strukturelles Angebotsdefizit fort. Die Solarbranche wirkte wie ein Turbo – ihre Nachfrage hat sich seit 2020 nahezu vervierfacht.
Industriemetall trifft Safe Haven: Warum Silber doppelt profitiert
Zeuch betont die besondere Doppelfunktion von Silber: Industriemetall und Absicherungsinstrument zugleich. Diese Antithese – zyklischer Wachstumstreiber auf der einen Seite, sicherer Hafen auf der anderen – ließ Silber eng mit dem Goldpreis korrelieren, während es zugleich stärker auf zyklische Impulse reagierte. Für 2026 erwartet der Fondsmanager eine Fortsetzung der strukturellen Treiber: hohe Staatsverschuldung, geopolitische Unsicherheiten, anhaltende handelspolitische Spannungen. Zudem seien westliche institutionelle Investoren weiterhin unterinvestiert, was zusätzliche Nachfragepotenziale eröffne. Bei Silber bleiben Photovoltaik und Elektromobilität die wesentlichen Marktmotoren; die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert bis 2030 einen Ausbau der erneuerbaren Energien um 4.600 GW, wobei Photovoltaik den größten Anteil ausmachen soll. Silber-ETFs, die inzwischen rund 20 Prozent der weltweiten Nachfrage ausmachen, könnten dabei als Beschleuniger wirken. Gleichzeitig sei mit temporären Korrekturen zu rechnen – etwa wenn Realzinsen steigen oder ETF-Zuflüsse ausbleiben. Rücksetzer wie der jüngste Goldpreisrückgang von elf Prozent stuft Zeuch aber als „historisch normal“ ein.
DJE-Strategie 2026: Fokus auf Minen, Kupfer und Diversifikation
Für die strategische Ausrichtung des DJE – Gold & Ressourcen sieht Zeuch 2026 nur geringe Änderungen gegenüber dem Vorjahr. Engagements in Gold- und Silberminen sollen stabil bleiben, da die langfristigen Markttreiber weiterhin überzeugend seien. Kupfer hebt Zeuch als „mittelfristig interessantestes Industriemetall“ hervor – getrieben durch Elektrifizierung, Energiewende und globalen Infrastrukturbedarf. Kupferproduzenten und diversifizierte Minenkonzerne bleiben daher ein zweiter Schwerpunkt im Portfolio, während das Team im Energiesektor zurückhaltend bleibt. Die Gold-Silber-Ratio betrachtet Zeuch als stimmungsabhängigen Indikator: Sie steige in unsicheren Zeiten zugunsten von Gold, falle jedoch in Wachstumsphasen zugunsten von Silber. Entscheidender als die Ratio seien laut Zeuch aber fundamentale Faktoren wie Produktionskosten, Angebot und Nachfrage – Faktoren, die 2026 erneut über Richtung und Dynamik der Edelmetallmärkte entscheiden dürften.
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