PKV-Kennzahlen rücken in den Fokus: Makler Bierl erklärt neue Prioritäten bei Beitragsstabilität

PKV-Beratung unter Druck steigender Erwartungen
Im Zuge aktueller Marktdebatten über die Beitragsentwicklung in der Privaten Krankenversicherung (PKV) stellt Makler und Finanzberater Stefan Bierl klar, welche Kennzahlen im Kundengespräch heute wirklich zählen – und warum viele Missverständnisse rund um Beitragsstabilität weiterhin hartnäckig bestehen. Bierl betont zunächst, dass PKV-Kennzahlen nicht zu Beginn einer Beratung stehen sollten: Zuerst kläre er grundlegende W-Fragen wie für wen die PKV geeignet ist, welches Einkommen und welche Familienkonstellation vorliegen und welcher Versicherer den Kunden überhaupt zu welchen Konditionen aufnimmt. Hier spiele die anonyme Risikovoranfrage die zentrale Rolle, weil „alle Fakten auf den Tisch“ müssten. Erst nachdem ein Preis-Leistungs-Vergleich mit sechs bis sieben Anbietern erstellt ist, fließen Kennzahlen wie Verwaltungskosten, laufende Durchschnittsverzinsung oder Rückstellungen für Beitragsrückerstattung in die Analyse ein. Dabei setzt Bierl bewusst auf Kontraste: Ein niedriger Verwaltungskostensatz sei nur dann ein Qualitätsmerkmal, wenn nicht zugleich bei der Schadenregulierung gespart werde; eine hohe Verzinsung sei nur dann positiv, wenn sie ohne den „Verkauf von Tafelsilber“, also ohne die Auflösung stiller Reserven, erreicht werde. Als Richtwert nennt Bierl eine RfB-Quote von über 40 Prozent als „sehr solide“, während Werte unter 25 Prozent ein Warnsignal seien. Zusätzlich verweist er auf die Bedeutung der RfB-Zuführungsquote sowie auf die Solvabilitätsquote, die idealerweise über 300 Prozent liegen sollte.

Wie Fehlannahmen entstehen – und warum Kennzahlen mehr sind als Rechenspiele
Laut Bierl entsteht der größte Irrtum dort, wo Kunden zwar Beitragsrückerstattungen im Blick haben, aber nicht die Mechanik dahinter: Gute Kennzahlen wirkten dämpfend auf spätere Beitragserhöhungen und sorgten dafür, dass die Prämien „auch im Alter in einem angemessenen Rahmen“ blieben. Zu den relevanten Faktoren zählt er Nettoverzinsung, RfB-Quote, Eigenkapitalquote und Verwaltungskosten – alles zusammen ein Geflecht, das die langfristige Stabilität sichere. Häufig unbekannt sei zudem, wie viele Stellschrauben zur Entlastung existieren: vom 10-Prozent-Zuschlag für Alterungsrückstellungen, der mit 60 entfällt, über Entlastungstarife bis zum Wegfall des Krankentagegelds im Ruhestand. Als weiteres Beispiel nennt Bierl die Beteiligung der Rentenversicherungsträger, die im Durchschnitt 150 bis 200 Euro der monatlichen PKV-Prämie übernehmen. Hier zeigt sich die Antithese zwischen Erwartung und Realität: Viele Kunden fürchten steigende Beiträge im Alter – wissen aber nicht, wie viele systeminterne Mechanismen gleichzeitig stabilisierend wirken.

Komplexe Finanzlogik anschaulich vermitteln
Um abstrakte PKV-Strukturen greifbar zu machen, arbeitet Bierl mit Bildsprache und Beispielen. So beschreibt er die Rückstellungen für Beitragsrückerstattung als „Kriegskasse der Versicherer“, die Spitzen abfedert, aber nur dann wirksam bleibt, wenn sie regelmäßig durch operative Gewinne aufgefüllt wird. Gleichzeitiges Wachstum sei unverzichtbar, damit das Kollektiv jung bleibe und realistisch kalkuliert werden könne – ein Balanceakt zwischen Theorie und Praxis. Bevor Kennzahlen überhaupt zur Sprache kommen, klärt Bierl Basisbegriffe wie „Erstattung über dem 3,5-fachen Satz der GOÄ“ oder den „offenen Heilmittelkatalog“. Erst danach, sagt er, lasse sich erklären, wie stabile Finanzkennzahlen und realistische Kalkulationsgrundlagen langfristige Beitragsentwicklungen prägen. So entsteht ein dynamisches Bild: Auf der einen Seite die Komplexität versicherungsmathematischer Strukturen, auf der anderen Seite die Aufgabe, diese für Kunden verständlich und praxisnah einzuordnen – ein Spannungsfeld, das den Beratungsalltag in der PKV zunehmend prägt.

Quelle

In Kooperation mit der
INTER Versicherungsgruppe