Neue Wege in der Arbeitskraftabsicherung: Warum ein EMR-orientiertes Modell jetzt nötig wird

Die Diskussion um die Zukunft der Arbeitskraftabsicherung erhält neuen Schwung, weil zentrale Produkte den Bedarf großer Bevölkerungsgruppen immer weniger erreichen. Im Kern steht die Frage, wer heute noch Zugang zu wirksamem Schutz hat – und welche Produktarchitektur diesen Zugang künftig sicherstellen kann. Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), über Jahre verfeinert und technisch perfektioniert, bleibt für viele Anspruchsteller faktisch unerreichbar: zu teuer, zu komplex, zu viele Ablehnungen. Handwerksberufe, Pflegekräfte oder junge Menschen mit Vorerkrankungen stehen besonders oft vor verschlossenen Türen. Auch die vielbeworbene Grundfähigkeitsversicherung (GF) erfüllt die Erwartungen nur bedingt. Branchenintern mehren sich Hinweise auf aufwendige Leistungsprüfungen, ausbleibende Anerkennungen und einen zentralen Zielkonflikt: Versicherte sind arbeitsunfähig, verlieren aber keine in den Bedingungen definierten Fähigkeiten. Der Effekt: Ein Produkt, das präzise wirken soll, verfehlt in der Praxis die Lebenswirklichkeit vieler Anspruchsteller.

Reformidee: Zusatz-Erwerbsminderungsrente als neues Standardprodukt

Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Reformvorschlag an Bedeutung, den Versicherungsmakler und BU-Experte Matthias Helberg formuliert: eine private Zusatz-Erwerbsminderungsrente, die sich eng an die gesetzliche Erwerbsminderungsrente (EMR) anlehnt. Der Vorteil liegt aus seiner Sicht auf der Hand: Die EMR erfasst bereits jährlich rund 150.000 neue Leistungsfälle und basiert damit auf einer breiten, verlässlichen Datengrundlage. Die Regel „Zahlt die Deutsche Rentenversicherung, zahlen wir“ schafft einen klaren, nachvollziehbaren Leistungsmechanismus – ohne abstrakte Berufsbilder oder schwer interpretierbare Fähigkeitentests. Ergänzt wird dieses Modell durch private Zusatzkomponenten wie eine sofortige Absicherung unfallbedingter Erwerbsminderung, wählbare Rentenhöhen sowie weltweiten Schutz. Die Kalkulation könnte ohne Berufsgruppen und mit minimalen Gesundheitsfragen erfolgen – streng in der Prüfung, aber niedrigschwellig im Zugang.

Fazit: Vereinfachung als Voraussetzung für breiten Marktzugang

Der Ansatz zielt nicht auf Leistungsmaximalismus, sondern auf Versorgungssicherheit für Menschen, die heute durchs Raster fallen. Die Antithese ist klar: hochkomplexe Produkte, die nur wenigen offenstehen, stehen schlichten, verständlichen Lösungen gegenüber, die breiten Bevölkerungsschichten Schutz bieten könnten. Helbergs Einschätzung fasst diesen Gedanken zusammen: „Streng. Einfach. Bezahlbar. Mit Bonus.“ Ohne substanzielle Vereinfachungen bleibt der Markt für Arbeitskraftabsicherung aus seiner Sicht fragmentiert – und Millionen Menschen ungeschützt. Die Branche steht damit vor einer strategischen Frage: Kann sie es sich leisten, an bestehenden Strukturen festzuhalten?

Quelle

 

 

 

 

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