Banken bremsen Erwartungen: Neue EY-Parthenon-Umfrage zeigt wachsende Risiken im Immobilienmarkt

Wirtschaftslage drückt Stimmung: Banken sehen Immobilienerholung zunehmend skeptisch

Deutschlands Immobilienmarkt sendet wieder Preissignale nach oben – doch ausgerechnet jetzt, da Daten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft und des Verbands deutscher Pfandbriefbanken eine landesweite Trendwende belegen, stellen die jüngsten Einschätzungen der Branche selbst diesen Aufschwung infrage. Laut einer aktuellen Umfrage von EY-Parthenon unter 58 immobilienfinanzierenden Banken und 22 Restrukturierungskanzleien, die dem Handelsblatt vorab vorlag, erwartet nur noch eine deutliche Minderheit eine stabile Erholung bis 2030. Die Experten rund um Jean-Pierre Rudel, Partner bei EY Real Estate, sprechen von einer „anhaltenden Krise“, obwohl Zinsen stabil sind und die Nachfrage nach Baufinanzierungen wieder anzieht. Was die Banken umtreibt, ist ein paradoxes Bild: steigende Kaufpreise auf der einen Seite, aber eine konjunkturelle Schwächephase, die aus Sicht von 74 Prozent der Institute zur zentralen Risikoquelle geworden ist. Die Folge: Selbst der moderate Optimismus zur Jahresmitte, als noch 80 Prozent an eine positive Marktentwicklung glaubten, ist weitgehend verflogen. Heute sind es nur noch 65 Prozent – ein deutlicher Rückschritt, der zeigt, wie schnell sich Erwartungen drehen können, wenn Boom und Realität auseinanderlaufen.

Projektentwickler im Fokus: Dreifach höheres Insolvenzrisiko, stagnierende Segmente im Einzelhandel und Büro

Besonders drastisch fällt die Neubewertung der Lage im Bereich der Projektentwickler aus. Laut Umfrage sehen inzwischen 61 Prozent der befragten Banken ein steigendes Insolvenzrisiko – ein Wert, der sich innerhalb eines Quartals mehr als verdreifacht hat. Während der Markt nach Jahren des Booms versucht, seine Balance wiederzufinden, klafft hier eine Antithese zwischen Hoffnung und Härte: Die Preise ziehen vielerorts an, doch zentrale Marktsegmente treten auf der Stelle oder rutschen weiter ab. Für Einzelhandelsimmobilien erwartet niemand steigende Werte; 48 Prozent rechnen sogar mit weiteren Preisrückgängen. Auch im Bürosegment dominieren negative Erwartungen: 52 Prozent der Institute prognostizieren sinkende Preise. Die Einschätzungen aus dem Logistik- und Wohnbereich fallen dagegen etwas milder aus, wie Mitautor Korbinian Gennies betont, doch auch hier registrieren die Banken steigende Refinanzierungsrisiken. Dass selbst die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) ihre Jahresprognose kürzlich senkte – Bankchef Kay Wolf verwies auf eine „langsamer verlaufende Erholung“ – zeigt, wie fragil der Markt derzeit ist.

Strengere Kreditvorgaben: Banken ziehen Bedingungen an – besonders bei Büros

Parallel zur skeptischen Markteinschätzung verschärfen die Institute ihre Kreditpolitik. So haben laut EY-Parthenon 56 Prozent der Finanzierer ihre Vergabestandards in den vergangenen sechs Monaten angehoben. Im Bürosegment fällt die Zurückhaltung besonders ins Gewicht: 89 Prozent der Banken melden strengere Kriterien, vor allem bei Beleihungsgraden und Sicherheiten. Während viele Institute weiterhin versuchen, bestehende Kredite über Vertragsverlängerungen zu stabilisieren, berichtet mehr als die Hälfte von zunehmenden Insolvenzen und Verkäufen; 42 Prozent registrieren zudem mehr Transaktionen mit Schuldenschnitt. Für 2026 erwarten 45 Prozent der Banken lediglich eine Seitwärtsbewegung – ein Signal, das die Unsicherheit der Branche unterstreicht: Konsolidierung ja, klare Trendwende nein. Zwischen Hoffnung auf Stabilisierung und Sorge vor weiteren Marktverwerfungen entsteht damit ein Spannungsbogen, der die zentralen Widersprüche des aktuellen Immobilienzyklus aufzeigt: steigende Preise, aber wachsende Risiken; mehr Nachfrage, aber weniger Zuversicht; stabile Zinsen, aber ein Umfeld, das alles andere als stabil wirkt.

Quelle

In Kooperation mit der
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