Versicherer beschleunigen Prozesse: KI wird zum zentralen Motor im Schaden- und Dokumentenmanagement

Die weltweite Versicherungswirtschaft setzt Anfang 2026 verstärkt auf künstliche Intelligenz (KI), um steigende Prozesslasten und demografischen Druck abzufedern. Nach aktuellen Zahlen des Capgemini Research Institute kann KI allein in der globalen Finanzdienstleistungsbranche – also Banken und Versicherern – einen wirtschaftlichen Mehrwert von bis zu 450 Milliarden US-Dollar erzeugen. Dieser Wert steht für zweierlei: Einsparungen durch effizientere Abläufe und zusätzlichen, durch KI generierten Umsatz. Eine procontra-Recherche unter acht großen deutschen Versicherern – darunter Allianz, Alte Leipziger, Axa, Ergo, R+V, VHV, VKB und Volkswohl Bund – zeigt: Im operativen Alltag dominiert der KI-Einsatz vor allem in Schadenbearbeitung, Dokumentenklassifikation und Kundeninteraktion. Nicht reagiert haben auf die Anfrage die Haftpflichtkasse; die Generali wollte sich ebenfalls nicht äußern.

Schadenbearbeitung, Dokumentenflut, Betrugserkennung: Wo KI heute wirkt

Besonders in der Schadenbearbeitung setzen die Unternehmen auf KI-Systeme, die skalieren können – also dort, wo viele Vorgänge in kurzer Zeit auftreten. Die R+V verweist gegenüber procontra etwa auf KI-gestützte Prozesse zur präzisen Ermittlung der Schadenshöhe in der Kfz-Sparte, die eine schnellere Interaktion und Abwicklung ermöglichen. Die VHV nutzt KI-basierte Hagelscanner, um bei massenhaften Wetterschäden automatisiert zu bewerten und Belastungsspitzen abzufangen. Die Ergo spricht von derzeit rund 120 konzernweiten Use-Cases und betont die Bedeutung der KI bei „externen Schocks“ wie Corona-Pandemie, Grippewellen oder klimabedingten Großschäden.

Klassifikationsquote dank KI von 50 auf über 90 Prozent

Ein weiterer Hebel: der Posteingang. Die Ergo erhält jährlich über 60 Millionen Dokumentenseiten und konnte ihre Klassifikationsquote dank KI von 50 auf über 90 Prozent steigern. Auch Axa verweist auf die Wirkung solcher Systeme: KI erkennt, ob ein Leitungswasserschaden gemeldet oder ein Rezept eingereicht wird – bei rund 70 Millionen eingehenden Dokumenten pro Jahr sei der Effizienzgewinn enorm, so Axa-Vorständin Daniela-Carina Pohl. Daneben melden nahezu alle Versicherer KI-Einsatz in Betrugserkennung, Chat-Bots, Telefonassistenz sowie interner Texterstellung (z. B. via automatischer Kundenkorrespondenz oder Regelwerksanalyse). Gleichzeitig wird betont: Die finale Prüfung erfolgt weiterhin durch menschliche Mitarbeitende.

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In Kooperation mit der
INTER Versicherungsgruppe