Blau Direkt stellt Kurs neu: Plattformstrategie, Maxpool-Integration und KI als Wachstumstreiber

Nach dem überraschenden Ausscheiden von Blau-Direkt-CEO Kai-Uwe Laag im Sommer hat das Unternehmen seine Führungsspitze neu aufgestellt. Das bestätigte Geschäftsführer Stephan Schinnenburg gegenüber procontra. Laag sei aus „persönlichen Gründen“ gegangen; Streit habe es keinen gegeben, betonte Schinnenburg. Mit dem neuen CEO Ait Voncke wolle Blau Direkt nun gezielt den nächsten Entwicklungsschritt gehen: Eine stärker plattformgetriebene Ausrichtung, die das Unternehmen als umfassende Abwicklungs- und Serviceplattform für unabhängige Vermittler, Vertriebe und institutionelle Partner positionieren soll. Voncke bringe dafür laut Schinnenburg die nötige Erfahrung mit digitalen Plattformmodellen aus verschiedenen Branchen mit und soll besonders das Skalierungstempo erhöhen – ein Schritt, der angesichts zuletzt stark gestiegener Umsätze von knapp 200 auf fast 300 Millionen Euro als strategisch folgerichtig eingeordnet wird.

Maxpool-Integration und Konsolidierung im Poolmarkt

Parallel treibt Blau Direkt die Integration des kürzlich übernommenen Maklerpools Maxpool voran. Die Übernahme sei der Endpunkt einer zweijährigen technischen Kooperation, erläuterte Schinnenburg. Kurzfristig bleibe für angebundene Makler alles beim Alten; mittelfristig würden Prozesse gebündelt und Synergien bei IT, Operations und fachlichen Services gehoben. Wichtig sei dabei, dass die Marken Blau Direkt und Maxpool klar positioniert und ihre jeweiligen Stärken erhalten bleiben. Weitere Zukäufe schließt Schinnenburg nicht aus, auch wenn man sich derzeit auf die Maxpool-Integration konzentriere. Die Konsolidierung im Markt werde weitergehen, so seine Einschätzung – steigende Anforderungen durch IT, KI und Regulierung setzten kleinere Pools zunehmend unter Druck. Kooperationen seien deshalb genauso denkbar wie Übernahmen. Für Makler betont Blau Direkt Stabilität: Der Net Promoter Score sichere kontinuierliche Qualitätskontrolle, und Makler erzielten auf der Plattform „signifikant stärkeres Wachstum als der Markt“.

Wachstum, Vergütung und KI: Blau Direkt definiert die nächsten Schritte

Für 2025 plant Blau Direkt über 300 Millionen Euro Umsatz und setzt weiterhin auf ein organisches Wachstum von 20 bis 30 Prozent pro Jahr. Damit rücken Umsatzmarken von 400 bis 500 Millionen Euro in greifbare Nähe. Beim Thema Unabhängigkeit von Pools äußert sich Schinnenburg gegenüber der Kritik des BVK gelassen: Niemand werde gezwungen, mit Blau Direkt zu arbeiten, entscheidend seien Technik, Service und geschäftlicher Nutzen. Auch gegenüber Versicherern sieht sich das Unternehmen gestärkt – jedoch nicht als „Machtfaktor“, sondern als „Durchsetzer eines wertschöpfenden Gesamtpakets“ in Vergütungsfragen. Einen strategischen Schwerpunkt setzt Blau Direkt auf Künstliche Intelligenz: intern zur Automatisierung und Qualitätssteigerung, extern durch Tools wie den KI-Sprachassistenten im Maklerverwaltungsprogramm Ameise. Jobabbau sei trotz wachsender KI-Anteile nicht zu erwarten, da das Unternehmen trotz Effizienzgewinnen weiter wachse. Im Blick nach vorn sieht Schinnenburg Pools nicht als Ersatz für Makler, sondern als deren unverzichtbare Infrastrukturpartner – als Hebel für Effizienz, nicht als Konkurrenten.

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