Aktive Fonds unter Druck: Union Investment verteidigt Qualitätsstrategie gegen ETF-Boom

Inmitten des anhaltenden Kostendrucks im Fondsmarkt stellt Union Investment klar: Auch 2025 setzen die Frankfurter weiter auf Qualitätsführerschaft – und nicht auf den immer stärker dominierenden ETF-Kostenvorteil. Das bekräftigt Anja Bauermeister im Gespräch mit procontra, nachdem erneut Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit des bekannten Aktienfonds Uniglobal aufgekommen waren, dessen laufende Kosten bei 2,4 Prozent pro Jahr liegen. Laut Bauermeister unterscheiden sich Anbieter „heute grob durch Kostenführerschaft oder Qualitätsführerschaft“. Union Investment verfolge bewusst Letzteres, indem man erheblich in Analyse, Research, Risikomanagement und aktive Portfoliosteuerung investiere, um potenziell ertragreiche Unternehmen frühzeitig zu identifizieren – und sie im Fonds gezielt überzugewichten, bevor sie in großen ETF-Indizes auftauchen. Die Kombination aus aktiver Risikosteuerung und langfristiger Strategie sei laut Bauermeister der Kern des Mehrwerts, den passive Produkte nicht bieten könnten.

Erträge, Kosten und Performance Fees – wo aktives Management liefert

Während ETF-Anbieter mit niedrigen Kosten punkten, verweist Bauermeister auf die Fünfjahresperiode 2020–2024: Der Uniglobal habe jährlich eine Outperformance nach Kosten von 0,7 Prozent gegenüber dem MSCI World erzielt – insgesamt 5,6 Prozent mehr. Dies zeige, so Bauermeister, dass aktive Fonds Mehrwert generieren können, insbesondere durch ein Research-Team, das nicht allein Daten auswertet, sondern sich auf direkte Unternehmensgespräche stützt. Für Anleger spielten Aspekte wie Schutz vor negativen Überraschungen, die Nutzung neuer Markttrends oder die Einbettung nachhaltiger Kriterien eine wachsende Rolle. Auch zur erfolgsabhängigen Vergütung positioniert sich Bauermeister klar: Performance Fees seien nur dann gerechtfertigt, wenn sie einen echten Kundennutzen widerspiegeln. Die bei Union Investment üblichen 25 Prozent Erfolgsbeteiligung seien fair ausgestaltet, da negative Abweichungen aus fünf Perioden zunächst vollständig ausgeglichen werden müssten, bevor eine Vergütung anfalle. Grundlage hierfür seien die seit Jahren geltenden Musterkostenklauseln der BaFin und ESMA-Leitlinien.

ETF-Nachfrage, regulatorischer Kostendruck und die Rolle der Digitalisierung

Im Wettbewerb mit ETF beobachtet Union Investment laut Bauermeister zwar „eine wachsende, aber weiterhin niedrige Nachfrage“, vor allem bei globalen Aktien-ETF wie dem MSCI World. Dennoch nutzten viele Kunden ETF eher ergänzend und setzten weiterhin auf persönliche Beratung und das Know-how erfahrener Fondsmanager. Gleichzeitig betont Bauermeister, dass der Kostendruck in der Kapitalverwaltung nicht allein von ETF ausgehe: Vor allem die hohe regulatorische Dichte erhöhe dauerhaft die Kosten – deutlich stärker als in anderen Branchen. Transparenzanforderungen, Vertriebsregulierung und EU-Vorgaben wirkten wie zusätzliche Kostentreiber, die passive Produkte aufgrund externer Gebührenstrukturen weniger treffen. Um dennoch effizienter zu werden, intensiviere Union Investment Investitionen in Automatisierung, Digitalisierung und KI und führe moderne Depotmodelle ein, bei denen Kosten stärker an die Anlagesumme gekoppelt werden. Trotz aller Sparzwänge bleibe das erklärte Ziel jedoch unverändert: Qualitätsführerschaft als Differenzierungsmerkmal in einem Markt, in dem Standardprodukte stetig zulegen.

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