Schon im Haushalt 2026 steht es schwarz auf weiß: Die Frühstart-Rente, eines der zentralen Vorsorgeprojekte der schwarz-roten Koalition, soll im kommenden Jahr nur an Sechsjährige ausgezahlt werden. Das geht aus der rund 1.026 Seiten starken Bereinigungsvorlage zum Bundeshaushalt hervor, in der im Kapitel 6002, Titel 63601 229 exakt 50 Millionen Euro für die neue Leistung an die Deutsche Rentenversicherung eingeplant sind – genug für einen Jahrgang, aber nicht für alle 6- bis 18-Jährigen, wie ursprünglich im Koalitionsvertrag angekündigt.
Nach den Plänen des Bundesfinanzministeriums soll die Förderung schrittweise kommen: Start mit dem Jahrgang 2020, danach sollen Jahr für Jahr weitere Alterskohorten folgen, bis langfristig alle Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren die Leistung erhalten. Hintergrund ist nach Angaben aus Koalitionskreisen die angespannte Haushaltslage – die ursprünglich kalkulierten rund eine Milliarde Euro jährlich für die komplette Altersgruppe seien kurzfristig nicht darstellbar. Faktisch bedeutet das: Während die jüngsten Kinder 2026 mit dem Zehn-Euro-Baustein starten, gehen die aktuell 7- bis 18-Jährigen vorerst leer aus – politisches Versprechen auf der einen Seite, haushaltspolitische Realität auf der anderen.
Zehn Euro fürs Depot: Eltern müssen aktiv werden
Kern der Reform ist ein „individuelles, kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot“, wie es der Koalitionsvertrag vorsieht. Pro Kind sollen zehn Euro im Monat vom Staat in ein persönliches Aktiendepot fließen – etwa über ETF-Lösungen oder geeignete Versicherungstarife. Nach den Vorstellungen der Koalition müssen Eltern dafür aktiv werden: Sie sollen innerhalb eines bestimmten Zeitfensters – diskutiert werden etwa sechs Monate – ein Depot oder eine Versicherung für ihr Kind eröffnen, um die Förderung abrufen zu können. Erfolgt dieser Schritt nicht, ist laut Koalitionskreisen eine automatische Zuteilung in eine Standardlösung vorgesehen, angelehnt an Modelle in Ländern wie Israel. Eine Positivliste soll definieren, welche Anforderungen die Produkte erfüllen müssen, damit sowohl ETF-basierte Depotlösungen als auch Versicherungsprodukte förderfähig sind.
Keine klassischen Sicherungsmechanismen
Auf klassische Sicherungsmechanismen wie Beitragsgarantien oder Mindestverzinsung, wie sie bei der Riester-Renteüblich waren, will die Koalition hingegen verzichten – ein klarer Bruch mit der alten Welt der garantierten Vorsorge. Gleichzeitig sollen Eltern, Großeltern oder andere Dritte zusätzlich in das Vorsorgedepot einzahlen können, und zwar schon vor dem 18. Lebensjahr – der entsprechende Passus im Koalitionsvertrag, der solche Einzahlungen erst ab der Volljährigkeit vorsah, wird damit faktisch korrigiert. Die Anlage soll bis zum Renteneintritt gesperrt sein, Gewinne bis dahin steuerfrei bleiben.
