Frühstart-Rente – Wirtschaftsweise Malmendier warnt vor hohen Kosten und schwachen Renditen

Kritik an Kosten und Lobby-Einfluss

Die Bundesregierung will mit der Frühstart-Rente die private Altersvorsorge stärken: Für jedes Kind sollen ab dem 6. Lebensjahr bis zum 18. Geburtstag monatlich zehn Euro in ein staatlich gefördertes Depot fließen. Doch die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier mahnt in einem aktuellen Arbeitspapier des Sachverständigenrats, Fehler wie bei der Riester-Rente dürften sich nicht wiederholen. Notwendig seien Anlageprodukte mit niedrigen Kosten und höheren Renditechancen – standardisiert und verständlich, damit Familien keine komplizierten Entscheidungen treffen müssen.

Zinseszins als Hebel, Versicherer in der Kritik

Wie stark die Kosten ins Gewicht fallen, zeigen Rechenbeispiele: Bei drei Prozent Kosten läge das Kapital zum Renteneintritt bei rund 13.000 Euro, bei nur einem Prozent bereits bei 38.500 Euro. Verhaltensökonom Hartmut Walz von der Hochschule Ludwigshafen verweist auf die enorme Kraft des Zinseszinses und warnt vor Produkten mit Kapitalgarantie, die meist renditeschwach seien. Er kritisiert zudem die Lobby der Versicherungswirtschaft, die sich laut seinen Angaben auf Millionen neuer Verträge einstellen könnte – mit der Gefahr, dass am Ende eher die Branche profitiert als die jungen Menschen.

Internationale Vorbilder und offene Fragen

Malmendier verweist auf Israel: Dort fließen monatlich 15 Euro automatisch in einen Sparplan, Eltern können zwischen Bank- oder Fondsprodukten wählen – melden sie sich nicht, greift ein Standardprodukt. Eine ähnliche Automatisierung schlägt sie auch für Deutschland vor, damit alle Kinder erfasst werden, unabhängig vom Elternhaus. Die Kosten wären erheblich: Laut Berechnungen von Bundeskanzler Friedrich Merz würde ein Jahrgang rund 84 Millionen Euro pro Jahr kosten, insgesamt also eine Milliarde Euro bei zwölf Jahrgängen. Ob das Gesetz wie geplant Anfang 2026 in Kraft treten kann, gilt unter Experten als fraglich.

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