PKV-Neugeschäft wächst: Familien als neue Zielgruppe – Chancen und Risiken für Makler

Nach elf Jahren rückläufiger Bestände hat die Private Krankenversicherung (PKV) eine kleine Trendwende geschafft. Bereits 2023 wuchs die Zahl der Vollversicherten um 5.100 Personen – ein Plus von 0,06 Prozent. 2024 setzte sich diese Entwicklung fort, sogar mit einem deutlich kräftigeren Zuwachs von 32.300 Vollversicherten (0,37 Prozent). Angesichts teils massiver Beitragsanpassungen und einer seit Jahren dominierenden Skepsis gegenüber der PKV kam dieser Aufschwung für viele Marktteilnehmer überraschend.

Neue Kunden, neue Bedürfnisse

Laut Maklerinnen und Maklern hat sich die Zielgruppe gewandelt: Statt Einzelpersonen sind es zunehmend gutverdienende Familien mit Kindern oder junge Erwachsene, die sich mit Familienplanung beschäftigen. Besonders nachgefragt sind Leistungen wie:

  • Kinderkrankengeld und Beitragsbefreiung während des Elterngeldbezugs,

  • beitragsfreie Mitversicherung von Neugeborenen im ersten Lebensjahr,

  • Vorsorge- und Präventionsleistungen.

„Besonders in den Großstädten merken viele gesetzlich Versicherte, dass Facharzttermine Mangelware sind“, erklärt Maklerin Anja Glorius. Ihr Kollege Sven Hennig ergänzt, dass die Zahlungsbereitschaft der Kunden gestiegen sei: Risikozuschläge oder Selbstbehalte werden akzeptiert, solange das Leistungsniveau stimmt.

Warum sich Kunden umorientieren

Der PKV-Verband verweist auf klassische Vorteile: hohe medizinische Versorgungsqualität, freie Arztwahl und flexible Leistungszusammenstellung. Doch diese Argumente sind nicht neu. Neu ist vielmehr, dass die Debatte über Reformen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung offenbar eine Wechselbereitschaft in der GKV fördert.

Zudem verschärft sich die Versorgungslage in der GKV spürbar – vor allem bei Facharztterminen. Dieses Defizit lässt die Bereitschaft steigen, in den Vollschutz der PKV zu wechseln.

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