Senioren am Steuer: GDV-Zahlen zeigen steigendes Unfallrisiko – was das für Versicherungen bedeutet

Mehr Schäden durch ältere Fahrer, weniger durch Jüngere
Ein Unfall in Nürnberg, bei dem eine 84-Jährige ihr Auto in ein Schaufenster steuerte, war kein Einzelfall: Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stieg die Zahl der Unfälle mit Verletzten oder Toten unter Fahrern „75+“ zwischen 2013 und 2023 um 26 Prozent auf 21.500. Im gleichen Zeitraum sank die Gesamtzahl aller Altersgruppen um 12 Prozent auf 303.800. Während die einen also sicherer fahren, verursachen die Älteren immer häufiger schwere Schäden. Ein Grund liegt in der Demografie: Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) weist aus, dass 2024 knapp 5,9 Millionen Menschen über 75 einen Führerschein besaßen – mehr als doppelt so viele wie 2015.

Kfz-Tarife bleiben gleich, Beiträge steigen
Für die Kfz-Versicherung bedeutet das: keine speziellen Produkte für Senioren, aber höhere Prämien durch die Schadenbilanz. Huk-Coburg, Allianz und VHV erklärten auf Anfrage von procontra, dass weder eigene Seniorentarife noch verpflichtende Fahrtauglichkeitsprüfungen geplant seien. Rabattmöglichkeiten über Telematik-Tarife könnten jedoch helfen, die Kosten zu senken. Eine Stichprobe bei Check24 zeigt: Ein 76-Jähriger zahlt im Schnitt rund das Doppelte eines 45-Jährigen – bei identischer Schadenfreiheitsklasse.

Zielgruppe „75+“ braucht differenzierte Beratung
Makler stehen damit vor der Aufgabe, die Generation „75+“ nicht nur als Unfallrisiko, sondern auch als wachsende Kundengruppe zu sehen. Während in der Kfz-Sparte die Tarife gleich bleiben, zeigt sich in anderen Segmenten ein differenzierteres Bild: Laut Daniel Seeger (ZVO GmbH) bleiben Beiträge für Zahnzusatzversicherungen ab 65 oft konstant oder sinken sogar. Oliver Piendl (impuls Finanzmanagement AG) berichtet dagegen von steigender Nachfrage nach Sterbegeld- und Pflegeversicherungen, während Risikolebensversicherungen jenseits der 70 kaum noch relevant sind. Und auch Unfallpolicen für Menschen über 80 gibt es – mit altersgerechten Leistungen und zusätzlichen Assistance-Bausteinen. Entscheidend bleibt, so Piendl: Nur eine individuelle Beratung stellt sicher, dass Absicherung auch im hohen Alter bezahlbar und sinnvoll bleibt.

Quelle