Geldanlage: Kapitalmarktstratege kritisiert Home-Bias-Trend

Europäische Börsen profitieren – aber wie lange noch?
Der jüngste Aufschwung europäischer Aktien sorgt für Bewegung am Markt – und für Diskussionen. Nach Einschätzung von Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch, hat vor allem die abnehmende Bedeutung des US-Dollar bei internationalen Investoren den Trend befeuert, weniger die Zollpolitik von Ex-US-Präsident Donald Trump. Institutionelle wie private Großanleger hätten in den vergangenen Monaten vermehrt in Europa und Asien investiert, getrieben von Unsicherheit über den Dollar und US-Staatsanleihen. Trump’s erratische Politik habe den Status beider Anlageformen als „sichere Häfen“ ins Wanken gebracht – und dieser Vertrauensverlust werde nicht so schnell verschwinden. Dennoch warnt Vorndran: Sobald Investoren wieder stärker auf Geschäftsmodelle statt Währungsrisiken schauen, könnte der aktuelle Bonus für europäische Aktien schnell verpuffen.

Home Bias und Klumpenrisiken – ein deutscher Dauerbrenner
Für deutsche Anleger mit ausgeprägtem „Home Bias“ mag der Aufwärtstrend verlockend sein. Vorndran aber spart nicht mit Kritik: „Wie man beim Vermögensaufbau fast ausschließlich auf deutsche oder europäische Aktien setzt, ist mir bis heute schleierhaft.“ Einkommen, Immobilien und Versicherungsleistungen seien ohnehin hierzulande gebündelt – ein Klumpenrisiko, das er als „ökonomischen Unfug“ bezeichnet. Sein Rat: global diversifizieren, und zwar mit Aktienanteilen von 60 bis 65 Prozent bei langfristigen Zielen, ergänzt durch 5 bis 10 Prozent Gold als Absicherung gegen systemische Risiken. Angesichts steigender Staatsverschuldung sieht er keinen Grund, an der Goldposition zu rütteln. Liquidität – etwa 15 Prozent – sei essenziell, um in Marktkorrekturen nachkaufen zu können. Attraktiv seien auch Nachranganleihen von Unternehmen mit soliden Perspektiven, die jedoch beim Aktienkurs skeptisch stimmen.

Strukturelle Probleme als Bremse für Europas Märkte
Die Vorstellung, dass europäische Aktien langfristig outperformen, hält Vorndran für verfrüht. Erst wenn Bürokratieabbau, Energiekosten, Arbeitskräftemangel und kleinteilige Regulierung angegangen würden, könne sich das Blatt wenden. Auch in Zukunftstechnologien, etwa der künstlichen Intelligenz, hinke Europa hinterher. Einzelne Aktien mögen kurzfristig profitieren, doch der strukturelle Rückstand bleibe. Vorndran’s Fazit: Anleger sollten nicht auf Länder setzen, sondern auf starke Unternehmen – weltweit. Nur so lasse sich das Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Marktchancen und langfristiger Stabilität sinnvoll navigieren.

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