Millionenverluste im Versorgungswerk – Berliner Zahnärzte bangen um Altersvorsorge
Ungewöhnliche Investments, massive Risiken: Zahnärztekammer warnt erneut
Berlin, 05.08.2025 – Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) schlägt erneut Alarm. In einem Rundschreiben vom Dienstag, das der Berliner Zeitung vorliegt, warnt Thomas Schieritz, Vorsitzender des Verwaltungsausschusses, vor „erheblichen Vermögensverlusten“. Besonders brisant: Nicht nur ein Teil des Kapitalstocks sei gefährdet – laut Schieritz stehen ganze Anlagestrategien infrage. Die Rede ist von „unüblichen, hochriskanten und überproportionalen“ Beteiligungen. Darunter: spekulative Investments in Start-ups und Hotelprojekte. Das VersicherungsJournal bat um Stellungnahme, erhielt bis Redaktionsschluss jedoch keine Antwort.
Pflichtverletzungen und Compliance-Verstöße: Drei Kanzleien decken Missstände auf
Wie die Berliner Zeitung weiter berichtet, hat eine Untersuchung durch drei externe Kanzleien gravierende Mängel in der Kapitalanlage offengelegt. Das Ergebnis: erhebliche Pflichtverletzungen und Verstöße gegen gesetzliche Vorgaben. Das VZB hat laut Bericht bereits Strafanzeige erstattet – ein ungewöhnlich scharfer Schritt für ein öffentlich-rechtliches Versorgungswerk. Die Vorwürfe wiegen schwer und werfen ein Schlaglicht auf ein systemisches Problem, das offenbar über Jahre hinweg gewachsen ist.
Renten in Gefahr – schon 110 Millionen Euro abgeschrieben
Die Sorgen der Mitglieder sind nicht unbegründet. Bereits in einem früheren Schreiben (25.07.2025) hatte das VZB laut F.A.Z. Business Media GmbH eingeräumt, dass problematische Anlagen teilweise fremdfinanziert wurden. Auch jetzt findet sich im aktuellen Schreiben erneut die Warnung: Rentenkürzungen und Beitragserhöhungen seien nicht auszuschließen. Bereits in den Jahren 2022 und 2023 mussten rund 110 Millionen Euro abgeschrieben werden – unter anderem durch das Engagement in die mittlerweile insolvente Element Insurance AG (Bericht vom 19.03.2025). Was als zukunftsweisende Investitionsstrategie begann, könnte für viele Berliner Zahnärztinnen und Zahnärzte zum finanziellen Bumerang werden.
