Signal Iduna-Tochter Hansainvest fühlt sich von Signa und René Benko massiv getäuscht – Millioneninvestments offenbar fehlgeleitet

Versichert, investiert – und irregeführt?
Die Ermittlungen rund um René Benko, Gründer des nun zerschlagenen Signa-Imperiums, nehmen eine neue Wendung: Auch Versicherungen geraten ins Visier. Laut SPIEGEL-Recherchen rückt die Signal Iduna-Tochter Hansainvest in den Fokus der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien. Grund: Zahlungen in Millionenhöhe, die – so der Verdacht – nicht wie vereinbart in Immobilienprojekte flossen, sondern zur Rettung anderer Signa-Gesellschaften dienten. Bereits im Februar 2024 erstattete Hansainvest Strafanzeige, da Mittel „in den Signa-Konzern abgezweigt“ worden seien. In den folgenden Monaten legte das Unternehmen weitere Verdachtsfälle vor. Die Ermittler sehen offenbar ein systematisches Umleiten von Geldern, insbesondere in Richtung der inzwischen insolventen Signa Development.

Projekt Beam: Ein Vorzeigeprojekt entpuppt sich als Luftnummer
Eines der fraglichen Investments: das Berliner Bürohausprojekt „Beam“. In E-Mails vom Oktober 2021 schwärmte Benko gegenüber einem Investmentmanager der Signal Iduna von einem „aufregenden Projekt“, warb für eine Beteiligung via Genussscheinen – bei angeblich „geringem Risiko“. Hansainvest investierte im April 2022 rund 20 Millionen Euro. Doch wie interne Unterlagen zeigen, landete das Geld nicht beim Bau, sondern wurde direkt an Signa Development weitergereicht. Dort zirkulierten die Mittel laut Zahlungsflussgrafiken weiter – unter anderem zur Schwestergesellschaft Signa Prime. Ähnliche Transaktionen dokumentieren Ermittler auch bei anderen Projekten in Wien, Hamburg und Berlin. Die Signal Iduna hatte sich vertraglich zusichern lassen, dass Investitionen ausschließlich projektbezogen verwendet würden – Zusagen, die offenbar mehrfach gebrochen wurden.

Milliardär Kühne und das Vertrauen, das keines war
Auch der Hamburger Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, einer der bekanntesten Signa-Investoren, wurde wohl getäuscht. Zwar verkaufte Benko ihm medienwirksam das Berliner Beam-Gebäude in zwei Etappen – doch das investierte Geld, insgesamt rund 318 Millionen Euro, verschwand laut Hansainvest ebenfalls im Signa-Geflecht. Die Gegenleistung? Laut Kühne-Anwälten: keine. Weder übernahm Signa – wie angeblich vereinbart – Anteile an Kühnes Signa-Beteiligung, noch präsentierte sich das Beam-Gebäude in funktionstüchtigem Zustand. Unfertige Fassadenteile, defekte Aufzüge, eine nicht abgenommene Immobilie – der Fall wird zum Symbol für die Abgründe im System Benko. Aktuell sitzt der Investor in Untersuchungshaft, über ein Dutzend Ermittlungsverfahren sind anhängig. Der Verdacht des schweren Betrugs steht im Raum – auch gegen den früheren Finanzchef Manuel Pirolt. Stellungnahmen bleiben bislang aus.

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