Streit um den „Boomer-Soli“: Wer zahlt für die Rente von morgen?

DIW will mit Sonderabgabe Altersarmut bekämpfen – IW warnt vor Fehlanreizen

Berlin, 16. Juli 2025 – Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) entfacht die Debatte über die Finanzierung der Rente neu: Mit dem „Boomer-Soli“ schlägt das Institut eine Sonderabgabe auf sämtliche Alterseinkünfte vor – zehn Prozent auf Renten, Pensionen, Kapital- und Mieteinnahmen, abzüglich eines Freibetrags von 1.000 Euro pro Monat. Ziel: Eine Umverteilung innerhalb der Generation der Ruheständler. Laut DIW-Ökonom Maximilian Blesch würde so das reichste Fünftel der Rentnerhaushalte bis zu vier Prozent ihres Nettoeinkommens verlieren, während das ärmste Fünftel elf Prozent hinzugewinnt. Ergebnis: Die Altersarmutsquote könnte von 18 auf 14 Prozent sinken. Das DIW argumentiert, dass klassische Rentenpunkte die reale Einkommenssituation vieler Ruheständler nicht adäquat abbilden – insbesondere bei hohen privaten Einkünften. Der Vorschlag soll die Jüngeren entlasten – und für mehr Gerechtigkeit im Alter sorgen.

IW Köln: Gute Absicht, falsche Lösung

Widerspruch kommt prompt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln). IW-Experte Jochen Pimpertz kritisiert, dass der Vorschlag zentrale Faktoren wie Vermögen ausblendet. Immerhin verfügen Haushalte über 65 über ein Medianvermögen von über 172.500 Euro – Immobilien inklusive. Zudem warnt das IW vor Umgehungsstrategien: Wer etwa Betriebsrenten auf einen Schlag bezieht, könnte der Abgabe entkommen. Auch werde die Motivation zur privaten Altersvorsorge untergraben – aus Angst, später bestraft zu werden. Statt pauschaler Umverteilung empfiehlt das IW gezielte Hilfe über steuerfinanzierte Sozialleistungen – angepasst an die tatsächliche Bedürftigkeit. Der „Boomer-Soli“ sei ein Eingriff mit erheblichem Kollateralschaden, der nicht nur Rentner, sondern auch Beamte und Vorsorgesparer treffen könnte.


Mehr Gerechtigkeit oder politischer Sprengsatz?

Beide Institute sehen den Handlungsdruck durch die demografische Entwicklung – doch die Wege zur Stabilisierung der Rentenkassen könnten kaum unterschiedlicher sein. Das DIW setzt auf solidarische Eigenverantwortung innerhalb der Rentnergeneration, das IW auf individuelle Bedürftigkeitsprüfung durch den Staat. Klar ist: Der „Boomer-Soli“ greift in zentrale Fragen der Alterssicherung ein – und könnte langfristig auch das Vertrauen in bestehende Vorsorgeprodukte erschüttern. Vermittler und Berater stehen damit vor der Herausforderung, komplexe politische Vorschläge in konkrete Konsequenzen für ihre Kunden zu übersetzen. Der nächste Rentengipfel dürfte nicht nur Zahlen wälzen – sondern auch Ideologien.

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